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Allgemeinmedizin 4. November 2013

Stimmung als Abwärtsspirale

Rechtzeitig den Folgen von herbstlichem Lichtmangel und trüben Aussichten gegenwirken

Antriebslosigkeit, unbestimmte Traurigkeit bzw. ein ungewohnter Eindruck der emotionalen Abgestumpftheit können Symptome einer depressiven Verstimmung sein. Die kürzeren Tag im Herbst und Winter mit ihren wenigen Sonnenstunden führen dazu, dass solche Stimmungstiefs gerade in diesen Jahreszeiten häufiger auftreten. Werden diese ersten Anzeichen früh erkannt, lässt sich mit frei erhältlichen Phytopharmaka oder Nahrungsergänzungsmitteln sowie mit Lebensstilanpassungen gezielt gegensteuern und lässt sich meist ein Abgleiten in allzu tiefe melancholische Abgründe vermeiden. Genaues Hinhören führt auf den richtigen Weg!

Der Apotheker, der viele seiner Kunden oft jahrelang kennt, ist aufgrund seines Vertrauensverhältnisses ein naheliegender Ansprechpartner - Dauermüdigkeit, Lustlosigkeit und Mutlosigkeit äußert der Betroffene hier meist eher als beim Arzt, den er mit diesen „banalen“ Befindlichkeiten zunächst gar nicht aufsucht. Aufmerksamkeit ist also gefragt, wenn die sonst fröhliche Kundin plötzlich einen ungewohnt bedrückten, zurückhaltenden Eindruck macht, wenn der gewöhnlich tatendurstige, energische Kunde sorgenvolle Äußerungen bezüglich seines Befindens und der allgemeinen Entwicklung insgesamt macht.

Keine Zeit für Winterschlaf

Der Rückzug in der lichtarmen Zeit des Herbsts und Winters ist ein heute wohl eher dysfunktionales Überbleibsel der Entwicklungsgeschichte. Für einen Winterschlaf ist in unserer hochtechnisierten leistungsorientierten Zeit kein Platz. Auch wenn der Körper und die Seele offenbar danach verlangen. Als Ursache für den Abfall der Stimmungslage wird eine Störung des Neurotransmitterhaushaltes angenommen, bedingt durch den saisonalen Lichtmangel. Für viele Menschen werden diese Monate zur Qual, was sich nicht zuletzt auf das soziale Umfeld auswirkt - Konfliktsituationen in Familie, Partnerschaft und/oder Arbeitsplatz können die Folge sein und machen die Situation nicht leichter.

Und dann steigt auch noch der Appetit...

Während die meisten Depressionen mit Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust verbunden sind, schlägt der Mechanismus der jahreszeitlich bedingten Tiefstimmung in die andere Richtung um - was physiologisch-entwicklungsgeschichtlich ja auch seine sinnvolle Funktion hatte: Der Appetit nimmt zu und mündet in Heißhunger auf Kohlenhydrate, vor allem auf Süßigkeiten und Teigwaren. Der Körper rüstet sich offenbar für den Winterschlaf… Für den Betroffenen ist auch das eine zusätzliche Quelle der Frustration und Unzufriedenheit.

Lichtmangel ausgleichen - und konsequent bleiben

Um also das mangelhafte Angebot an Licht auszugleichen, sollten die Betroffenen einerseits möglichst bewusst Zeit im Freien verbringen - was freilich aus den unterschiedlichsten Gründen nicht immer umsetzbar ist: Arbeitszeiten und die bereits vorhandene Antriebslosigkeit wirken dem guten Ratschlag ziemlich vehement entgegen. Als Alternative lässt sich eine Lichttherapie durchführen. Dazu wird Kunstlicht eingesetzt, das in seiner spektralen Zusammensetzung dem Sonnenlicht sehr ähnlich ist. Der ideale Zeitpunkt für eine derartige „Lichtdusche“ sind die Morgenstunden, am besten gleich nach dem Aufstehen. Während der Anwendung kann der Betroffene lesen, essen oder auf einem Fitnessgerät trainieren. Die gewünschte Wirkung tritt meist schon nach wenigen Tagen der täglichen Anwendung ein, allerdings ist hier - wie bei den meisten Therapien - Konsequenz notwendig.

springermedizin.de/ki

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