Wer aus dem Berufsleben ausscheidet, verabschiedet sich von zahlreichen Zwängen – manchmal auch von der regelmäßigen Einnahme seiner Medikamente. Die Berentung kann sich bei Patienten mit Bluthochdruck oder Typ-2-Diabetes nachteilig auf die Therapietreue auswirken. Auf diesen Umstand machen finnische Ärzte aufmerksam, die die Rezepte von Patienten in den drei Jahren vor und den vier Jahren nach Antritt des Ruhestands unter die Lupe nahmen. Am stärksten war der Effekt bei männlichen Diabetikern. Vor der Pensionierung wurde die Therapieadhärenz bei 2,3%, danach bei 5,2% von ihnen als schlecht bewertet. Von einer schlechten Adhärenz ging man aus, wenn die Verordnungen weniger als 40% aller Tage abdeckten. Bei Männern mit Hypertonie erhöhte sich dieser Anteil von 5,6% auf 7,2%. Von den Frauen mit Bluthochdruck traf dies auf 6,1% vor und 7,5% nach dem Renteneintritt zu. Nur bei den Diabetikerinnen war keine signifikante Zunahme mangelhafter Therapietreue festzustellen (3,8% vs. 4,2%). Generell war die Nachlässigkeit bei der Medikamenteneinnahme nicht nur ein vorübergehender Zustand: Ein Verbrauch von weniger als 40% war in jedem Jahr nach der Berentung häufiger als in der Zeit davor. Zu einer Verschlechterung der Therapietreue kam es auch unabhängig davon, wie alt die Patienten bei ihrer Pensionierung waren, welchen sozioökonomischen Status sie hatten oder ob sie Komorbiditäten aufwiesen. Die einzige Ausnahme bildeten Frauen mit Bluthochdruck und kardiovaskulären Begleiterkrankungen: Bei ihnen änderte das Ende des Berufslebens nichts an der Regelmäßigkeit der Medikamenteneinnahme. Falsche Sicherheit"/>
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Allgemeinmedizin 4. November 2013

Rentner machen gerne Urlaub von der Medikation

Wer aus dem Berufsleben ausscheidet, verabschiedet sich von zahlreichen Zwängen – manchmal auch von der regelmäßigen Einnahme seiner Medikamente.

Die Berentung kann sich bei Patienten mit Bluthochdruck oder Typ-2-Diabetes nachteilig auf die Therapietreue auswirken. Auf diesen Umstand machen finnische Ärzte aufmerksam, die die Rezepte von Patienten in den drei Jahren vor und den vier Jahren nach Antritt des Ruhestands unter die Lupe nahmen.

Am stärksten war der Effekt bei männlichen Diabetikern. Vor der Pensionierung wurde die Therapieadhärenz bei 2,3%, danach bei 5,2% von ihnen als schlecht bewertet. Von einer schlechten Adhärenz ging man aus, wenn die Verordnungen weniger als 40% aller Tage abdeckten. Bei Männern mit Hypertonie erhöhte sich dieser Anteil von 5,6% auf 7,2%. Von den Frauen mit Bluthochdruck traf dies auf 6,1% vor und 7,5% nach dem Renteneintritt zu. Nur bei den Diabetikerinnen war keine signifikante Zunahme mangelhafter Therapietreue festzustellen (3,8% vs. 4,2%).

Generell war die Nachlässigkeit bei der Medikamenteneinnahme nicht nur ein vorübergehender Zustand: Ein Verbrauch von weniger als 40% war in jedem Jahr nach der Berentung häufiger als in der Zeit davor. Zu einer Verschlechterung der Therapietreue kam es auch unabhängig davon, wie alt die Patienten bei ihrer Pensionierung waren, welchen sozioökonomischen Status sie hatten oder ob sie Komorbiditäten aufwiesen. Die einzige Ausnahme bildeten Frauen mit Bluthochdruck und kardiovaskulären Begleiterkrankungen: Bei ihnen änderte das Ende des Berufslebens nichts an der Regelmäßigkeit der Medikamenteneinnahme.

Falsche Sicherheit

Über die Ursachen für das Nachlassen der Therapietreue kann nur spekuliert werden. Mehrere Studien haben gezeigt, dass nach der Berentung das gesundheitliche Wohlbefinden zunimmt. Möglicherweise verleitet das manchen Rentner, sich in Sicherheit zu wiegen und seinen Medikamentenverbrauch zu reduzieren. Außerdem scheint die Aufgabe eines fremdbestimmten und strikt regulierten Tagesablaufs dazu zu führen, dass auch andere Routinen wie die Tabletteneinnahme häufiger mal unter den Tisch fallen.

Kivimäki M et al.: CMAJ 2013; published online September 30

springermedizin.de, Ärzte Woche 45/2013

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