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Allgemeinmedizin 14. Oktober 2013

Schmerz als Symptom und Krankheit

Multimodale Therapie und Mitarbeit des Patienten erfordern Verständnis und Beratung.

Neben Kopfschmerzen zählen Rückenschmerzen zu den häufigsten Schmerzlokalisationen. Bei 85 Prozent der Patienten mit Rückenschmerzen ist eine spezifische Diagnose jedoch nicht möglich. In den meisten Fällen liegen mehrere Schmerzursachen vor, die vollkommen unterschiedliche Therapiekonzepte erfordern. Im Gegensatz etwa zum vergleichsweise gut erforschten und mit Studien untermauerten Phänomen des Kopfschmerzes liegen die komplexen Ursachen von Rückenschmerz noch weitgehend im Dunkeln.

Akute Schmerzzustände lassen sich häufig innerhalb von wenigen Tagen erfolgreich behandeln, während Patienten mit rezidivierenden oder chronischen Schmerzen in der Regel über einen langen Zeitraum hinweg therapiert werden müssen. Nichtspinale Ursachen von Rückenschmerzen müssen differenzialdiagnostisch ausgeschlossen werden (Neoplastien, Magen/Darm-Erkrankungen, Gefäßerkrankungen sowie urologische und gynäkologische Erkrankungen). Frakturen, Tumore, Infektionen oder Radikulopathien bzw. Neuropathien sind zu erkennen. Ebenso gilt es, Funktionsstörungen und die an ihnen beteiligten Strukturen der Muskulatur und des Skeletts zu identifizieren.

Bei der Konzeption der Therapie steht das Bestreben im Vordergrund, das Potenzial des einzelnen Patienten möglichst rasch und umfassend zu aktivieren, um eine Chronifizierung zu verhüten. Psychische Faktoren wie Depressivität oder die Befürchtung, dass Bewegung die Schmerzzustände beeinträchtigen könnte, spielen dabei eine entscheidende Rolle. Darüber hinaus stellen fehlende Zufriedenheit am Arbeitsplatz und andere Arbeitsplatzfaktoren ein weiteres signifikantes Risiko für eine Chronifizierung dar.

Flankierende medikamentöse Behandlung in der Erstphase

„Ein erfolgreiches Therapiekonzept berücksichtigt neben den Schmerzen des Patienten vor allem den aktuellen Funktionsstatus seiner Wirbelsäule und des Bewegungsapparats. Als wichtigster Erfolgsfaktor ist die Bereitschaft des Patienten zur aktiven Mitarbeit zu sehen“, stellt Dr. Reinhard Schneiderhan, Isar Medizin Zentrum, München, fest. Zumindest in der Anfangsphase der Therapie ist demnach eine flankierende medikamentöse Behandlung meist sinnvoll, damit der Patient frühzeitig zu aktiven Maßnahmen übergehen kann. Körperliche Schonung sei dagegen zu keinem Zeitpunkt als sinnvoll anzusehen und beeinflusst den Krankheitsverlauf negativ. In Übereinstimmung mit der Nationalen Versorgungs-Leitlinie zur Therapie nichtspezifischer Rückenschmerzen kommen bei der Konzeption der Behandlung Therapien aus verschiedenen Fachdisziplinen zum Einsatz. Dies trifft speziell auf chronische Schmerzpatienten zu. „Bei Patienten mit nicht spezifisch behandelbaren Schmerzen sind nur wenige Therapien wirksam“, so Schneiderhan, „darunter die zeitlich begrenzte, konsequente Analgesie mit NSAR (Diclofenac, Ibuprofen, Paracetamol), lokale Infiltrationen und Wärme bei Beibehaltung der normalen Aktivität. In Ausnahmefällen können Muskelrelaxanzien und/oder schwache Opiate angewendet werden, fakultativ kurzfristig durch Infil-tration mit Lokalanästhetika oder Triggerpunkt-Behandlung im Bereich von Rücken- und Gesäßmuskulatur.

Dem Patienten die Notwendigkeit des multimodalen Therapiemanagements und seiner aktiven Mitarbeit zu verdeutlichen, ist eine wesentliche Aufgabe der Beratung in der interdisziplinären Zusammenarbeit zwischen Arzt und Apotheker.

Quelle: Reinhard Schneiderhan: Eine interdisziplinäre Herausforderung. Rückenschmerzen multimodal angehen, in: Der Hausarzt 2013/7

Springermedizin.de/ki

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