zur Navigation zum Inhalt
 
Allgemeinmedizin 5. Oktober 2005

Suche nach "Drogenlenkern": Gesetz überfordert Ärzte

Gemeinde-, Amts- und Polizeiärzte haben seit Jahresbeginn eine neue, undankbare Aufgabe: Sie sollen die Fahrtauglichkeit von Personen feststellen, die im Verdacht stehen, illegale Drogen konsumiert zu haben. Die gesetzlichen Vorgaben sind äußerst lückenhaft, eine möglichst rasche Reparatur wird deshalb gefordert.
"Wer durch Suchtgift beeinträchtigt ist, darf ein Fahrzeug weder lenken noch in Betrieb nehmen", heißt es in einer seit Jahresbeginn gültigen Regelung. Inzwischen wurden Gemeinde- bzw. Sprengelärzte sowie Amts- und Polizeiärzte durch eilig zusammengestellte Schulungen geschleust. Inwieweit diese Maßnahme zur Sicherheit im Straßenverkehr beitragen kann, ist aber in mehrerlei Hinsicht fraglich.

"Im Gesetz sind keine Grenzwerte festgelegt", stellt Prof. Dr. Rainer Schmid, Toxikologe am Institut für Labordiagnostik des AKH Wien, fest. Das Suchtmittelgesetz führt derzeit über 200 Substanzen an, auf die theoretisch auch die neue Regelung anzuwenden ist. Dabei habe jede dieser Substanzen sehr unterschiedliche Auswirkungen. "Bei der Erarbeitung des Gesetzes wurde offensichtlich vom Klischeebild des Junkies ausgegangen, das sich aber nicht so einfach generell umlegen lässt", kritisiert Schmid.
"Ein Arzt müsste hier schon einen ganz speziellen Riecher haben", ergänzt Ärztekammerpräsident Dr. Otto Pjeta, der die Schulung selbst absolviert hat. "Angesichts der Vielfalt der Suchtmittel kann sicher nicht in allen Fällen sofort eine Einschätzung der Fahrtauglichkeit geliefert werden - das ist eine Überforderung." Er betont die prinzipielle Bereitschaft der Ärzte für entsprechende Maßnahmen: "Es wäre aber dringend nötig, sich auf Länderebene zusammenzusetzen und die Details noch einmal genauer festzulegen."

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben