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Typisches Gichtzeichen: Ein Tophus, in dem sich Harnsäurekristalle ablagern.
 
Allgemeinmedizin 19. September 2013

Der Gichtpatient in der Praxis

Wichtig ist das Verständnis für Lebensstilanpassung und Harnsäuresenkung.

Als häufigste entzündliche Erkrankung des rheumatischen Formenkreises ist die Gicht auch ein Krankheitsbild, mit dem der niedergelassene Arzt oft konfrontiert ist, speziell, wenn Patienten einen akuten Gichtanfall erleiden. Ein Problem in der Betreuung stellt in vielen Fällen die konsequente, langfristige Harnsäuresenkung bei manifester Gicht dar. Die Folge bei Nichtbehandlung sind Komplikationen und schwere Verläufe. Rechtzeitige Maßnahmen und vor allem die Bewusstseinsbildung des Patienten können dieser Entwicklung in vielen Fällen vorbeugen.

Während die Neigung zu erhöhten Harnsäurewerten Studien zufolge genetisch beeinflusst ist, ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Hyperurikämie zu einer manifesten Gicht entwickelt, sehr stark von Umwelt- und Lebensstilfaktoren abhängig. Daher können hier wirksame Maßnahmen der Prävention und Therapie ansetzen.

Typische und atypische Symptome

Die rasche Diagnostik weist den Weg zur effektiven Therapie und verkürzt für den Patienten den Leidensweg. Typische Symptome im Gichtanfall sind Mono-/Oligoarthritis mit Bevorzugung des Großzehengrundgelenks, rapide Progression, Erythem und in der Mehrzahl der Fälle erhöhte Harnsäurewerte. Langjährige Verläufe der Gicht mit atypischen Symptomen oder Begleiterkrankungen können die Diagnostik erschweren, auch ist bei etwa der Hälfte der Patienten im Anfall keine Hyperuri-kämie nachweisbar.

Diagnostisch hilfreich kann es sein, die betroffenen Gelenke mit Ultraschall abzuklären, denn Tophi und Gelenkerosionen lassen sich mit hochauflösender Sonographie deutlich sensitiver erkennen als mit konventionellen Röntgenaufnahmen. Lässt sich die Ursache einer Mono-/Oligoarthritis klinisch nicht klären, ist eine Gelenkpunktion angezeigt. Diagnostisch wegweisend sind Harnsäurekristalle bei der Polarisationsmikroskopie.

Therapie und Prävention

Um die akute Symptomatik zu lindern, eignen sich neben topischen Maßnahmen NSAR, Glukokortikoide oder auch Colchicin, das in niedriger Dosierung ebenso wirksam ist wie hoch dosiert. Sind die etablierten Maßnahmen kontraindiziert, bieten Interleukin-1-Hemmer wie Canakinumab in Ausnahmefällen eine Alternative.

Wichtig ist in jedem Fall, den Harnsäurespiegel dauerhaft unter 6 mg/dl zu senken. Zu erwägen ist, die urikostatische Therapie – zusätzlich zu Colchicin und NSAR – aus Compliance-Gründen noch im akuten Stadium zu beginnen. Geeignete Präparate sind Allopurinol sowie der nicht purinanaloge Xanthinoxidase-Inhibitor Febuxostat, der in einer Studie von Becker et al. die Harnsäure effektiver senkte als Allopurinol. Weil Febuxostat hepatisch verstoffwechselt wird, kann es auch bei mittelgradiger Niereninsuffizienz eingesetzt werden.

Das Verständnis des Patienten für seine Krankheit sowie für die Notwendigkeit, seinen Lebensstil und die Harnsäure-senkenden Medikamente auch dann einzunehmen, wenn er keine Beschwerden hat, ist ein wichtiger Aspekt für die Vermeidung von weiteren akuten Gichtanfällen und Komplikationen.

 

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