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Allgemeinmedizin 30. Juni 2005

Potenz bei KHK und Diabetes stärken

Auch bei Männern mit Diabetes oder kardiovaskulären Erkrankungen sind Therapien gegen Potenzschwäche gut wirksam. Orale Arzneien sorgen bei über der Hälfte dieser Männer wieder für ein befriedigendes Sexualleben. Voraussetzung für eine Therapie ist jedoch, dass sie fit genug für Sex sind.

Etwa 20 Prozent der Diabetiker haben nach Angaben des Hamburger Urologen Professor Hartmut Porst bei der Diabetes-Diagnose bereits eine erektile Dysfunktion (ED), nach Jahrzehnten der Erkrankung sogar über 60 Prozent. Etwa 30 Prozent der Hypertoniker und 40 Prozent der KHK-Patienten haben eine mittelschwere bis schwere ED, bei Männern mit Herzinsuffizienz sind es bis zu 70 Prozent.
Umgekehrt, so Porst, ist eine ED oft das erste klinische Symptom einer KHK oder eines Diabetes. Seine Empfehlung bei ED: Zunächst sollten Fettstoffwechsel, Blutzucker und Blutdruck geprüft werden. Einschränkungen für eine orale Therapie gibt es aber nur bei wenigen Patienten: So sollten Männer bei einer Belastung von 75 bis 100 Watt, die etwa der beim Sex entspricht, keine kardialen Ischämien entwickeln. 75 Watt sind nötig, um etwa drei Stufen hinaufzusteigen. Schafft der Patient aus eigener Kraft den Weg zum Arzt, spricht also kaum etwas gegen eine ED-Therapie.
Im Zweifel hilft ein Belastungstest mit dem Ergometer. Auch bei Patienten mit schwerer Herzinsuffizienz und niedrigem Blutdruck ist Vorsicht geboten. Für die meisten Patienten mit Diabetes oder KHK ist jedoch eine ED-Therapie unproblematisch. Zur oralen Behandlung eignen sich sowohl peripher wirksame Arzneien, die das Enzym Phosphodiesterase-5 (PDE-5) hemmen, als auch der zentralwirksame Dopamin-Agonist Apomorphin.
PDE-5-Hemmer helfen über 50 Prozent der Männer mit Diabetes oder KHK wieder zu einer befriedigenden Erektion. Diese Medikamente haben sich zudem in vielen Studien auch bei KHK-Patienten als sehr sicher erwiesen. Derzeit sind mit Sildenafil (Viagra®), Tadalafil (Cialis®) und Vardenafil (Levitra®) drei PDE-5-Hemmer erhältlich.
Die meisten Daten zur Sicherheit liegen bei Sildenafil vor. So traten in einer britischen Studie mit knapp 8.900 Männern mit ED bei einer Sildenafil-Therapie nur zwei Herzinfarkte pro 1.000 Männer pro Jahr auf. Zu erwarten gewesen wären sechs Infarkte, gemessen an der Herzinfarkt-Häufigkeit bei britischen Männern.

Weniger Herzinfarkte

Auch in Studien mit Tadalafil war die Herzinfarktrate unter den Männern, die das Mittel nahmen, etwas geringer als bei Männern dieses Alters zu erwarten gewesen wäre. Und unter Vardenafil traten in Studien mit über 5.000 Personen Herzinfarkte nicht häufiger auf als mit Placebo. In die genannten Studien wurde sowohl Patienten mit und ohne KHK aufgenommen. Bei KHK-Patienten, die Sildenafil nahmen, zeigte sich kein Einfluss des Mittels auf Herzfrequenz, Herzminutenvolumen, koronaren Blutfluss, Durchmesser und Gefäßwiderstand der Koronarien oder den zentralen Venendruck (NEJM 2000, 342,1622).

Keine verstärkte ST-Senkung

In einer Studie mit 23 KHK-Patienten, die Tadalafil bekamen, kam es unter Belastung zu keiner verstärkten ST-Strecken-Senkung. Eine Analyse der Daten von Zulassungsstudien für Vardenafil zeigte für KHK-Patienten kein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse. Dennoch gibt es bekanntlich Einschränkungen für PDE-5-Hemmer: Bei Patienten, die Stickstoffmonoxid-Donatoren benötigen, sind PDE-5-Hemmer strikt kontraindiziert.
Eine weitere Option für ED-Patienten mit KHK oder Diabetes ist eine Therapie mit dem Dopamin-Agonisten Apomorphin (Ixense®, Uprima®). In Studien förderte das Mittel bei KHK-Patienten, Diabetikern und Hypertonikern die Erektion deutlich besser als Placebo. Apomorphin kann auch von Patienten genommen werden, die Nitrate benötigen. Besondere Risiken für Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen sind nicht zu erwarten, da die zentral wirksame Substanz keine direkte Wirkung auf das Herz-Kreislaufsystem hat.

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