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Allgemeinmedizin 30. Juni 2005

Potenzschwäche hat oft organische Ursachen

Bei mehr als 80 Prozent der potenzschwachen Männer hat die erektile Dysfunktion (ED) organische Ursachen. Im Vordergrund stehen dabei Durchblutungsstörungen der Penisgefäße, gefolgt von Neuropathien. Bei den meisten dieser Patienten kann eine medikamentöse Therapie die Erektion verbessern.

Wenn es nicht mehr klappt im Bett, dann liegt die Ursache oft in einer Durchblutungsstörung: Normalerweise fließt auf einen sexuellen Stimulus vermehrt Blut in die Penisarterien und versorgt die Schwellkörper. Diese schwellen an und blockieren dabei den venösen Abfluss: Der Penis erigiert. Bei 50 bis 80 Prozent der Patienten mit organisch bedingter ED funktioniert jedoch die arterielle Durchblutung nicht ausreichend, schätzen Prof. Eberhard Nieschlag und Prof. Hermann Behre von der Universität Münster. Häufig sind das Patienten, die auch Fettstoffwechselstörungen, Hypertonie oder Diabetes haben oder die stark rauchen. Auch nach Gefäßoperationen und Beckeneingriffen kann es zu arteriellen Durchblutungsstörungen kommen. Gekennzeichnet sind rein arterielle Störungen durch eine erschwerte oder verspätet einsetzende Erektion.

Angeborene Erektionsstörung

Eine venös bedingte ED kann auch angeboren sein, dann etwa, wenn falsch platzierte Venen vorhanden sind, die den Schwellmechanismus des Penis umgehen. Diese primäre ED lässt sich aber meist problemlos durch eine Operation korrigieren, so Nieschlag und Behre. Meist beruht jedoch eine venös bedingte ED auf einer Degeneration der glatten Schwellkörpermuskulatur. Dabei wird diese zunehmend durch Bindegewebe ersetzt. Die Elastizität geht verloren, der venöse Abfluss kann nicht mehr gestoppt werden, der Penis bleibt schlaff. Häufig treten solche Veränderungen zusammen mit arteriellen Perfusionsstörungen auf.
Seltener sind neurogene Störungen Ursache einer ED. Bei manchen Patienten mit Diabetes mellitus fällt der Diabetes erstmals auf, wenn sie sich über ihre ED beklagen. Andere neurogene Ursachen sind spinale Läsionen oder zentralnervöse Erkrankungen wie Morbus Parkinson oder Hirntumoren, bei denen ein Neurotransmitter-Ungleichgewicht entsteht, das die Reize aus dem Sexualzentrum hemmt. Auch eine Polyneuropathie durch Alkoholmissbrauch kann zu Impotenz führen.
Etwa fünf bis zehn Prozent der Männer mit organisch bedingter ED haben einen Testosteronmangel. Studien deuten darauf hin, dass Testosteron bei solchen Männern auch die Sexualfunktion verbessert: Bei einer Metaanalyse von 16 Studien hatten zwei Drittel der hypogonadalen Männer mit erektiler Dysfunktion von Testosteron profitiert. Allerdings ist noch unklar, ob Testosteron nur auf die Libido wirkt oder auch direkt die Erektion fördert.

Schwäche durch Medikamente

ED kann auch bei einigen Medikamenten auftreten. Dazu zählen etwa Psychopharmaka mit anticholinergen und antidopaminergen Effekten.
Zur Therapie von Patienten mit organisch bedingten Potenzstörungen haben sich Substanzen als sehr wirksam erwiesen, die das Enzym Phosphodiesterase (PDE-5) in den Corpora cavernosa hemmen und so die Penisdurchblutung verbessern. Hierzu zählen Sildenafil (Viagra®), Tadalafil (Cialis®) und Vardenafil (Levitra®). Auch nach radikaler Prostatektomie lässt sich mit PDE-5-Hemmern die Erektion deutlich verbessern, Voraussetzung ist allerdings, dass nervenschonend operiert wird, denn ohne Nervenstimuli können die Mittel nicht wirken.
Eine Option bei leichter bis mittelschwerer ED ist auch Apomorphin (Ixense®, Uprima®). Der Dopamin-Agonist beeinflusst das Sexualzentrum im Gehirn und verstärkt den natürlichen Erektionsmechanismus.
Als Ultima ratio für Männer mit ED, bei denen keine Medikamente wirken, gibt es schließlich Vakuumpumpen und Penisimplantate.

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