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Allgemeinmedizin 30. Juni 2005

Stress und Krisen schwächen Potenz

Bei etwa 15 bis 20 Prozent der Männer mit Erektionsstörungen sind Stress, eine Lebenskrise, mangelndes Selbstwertgefühl oder Depressionen Hauptursachen für eine erektile Dysfunktion (ED). Allerdings können auch organische Ursachen zu einer psychischen Belastung führen, die die Potenz weiter schwächt. Hilfreich ist daher häufig eine Kombination aus psychosomatischer und medikamentöser Therapie.

Schon im Gespräch mit den Patienten wird anhand der Eigen- und Sozialanamnese schnell deutlich, ob bei Erektionsstörung das Gewicht eher auf organischen oder psychischen Ursachen liegt. Nach Aussage von Dr. Ulrich Pickl aus München sollte auch nach sexuellen Erfahrungen, der Erlebnisfähigkeit und dem sexuellen Verhaltensrepertoire gefragt werden.
Zudem werde oft vergessen, dass Frauen erektionsgestörter Männer überdurchschnittlich häufig unter sexuellen Störungen leiden, so Pickl (Uro News 1, 2003, 50). Daher erkundigt sich der Androloge auch stets nach Zärtlichkeiten mit der Partnerin sowie der Frequenz sexueller Kontakte. In lange bestehenden Partnerschaften klagen die Frauen oft über fehlende Zärtlichkeit und geringes sexuelles Verhaltensrepertoire des Partners. Außerdem sprechen Paare mit sexuellen Störungen selten miteinander über ihre Probleme. "Allzu oft ist die beklagte Impotenz nur Schauplatz eines nicht bearbeiteten Partnerkonflikts", so Pickl.

Feinfühligkeit und Zärtlichkeit müssen geübt werden

Was kann getan werden? Sind organische Ursachen ausgeschlossen, plädiert Pickl zunächst für eine psychosomatische Therapie, wobei die Partnerin ein- bis zweimal einbezogen werden kann. In ausführlichen Gesprächen geht er auf das sexuelle Verhaltensrepertoire ein und fordert die Paare auf, zu Hause mehr Feinfühligkeit zu üben und zärtlicher zueinander zu sein, "ohne funktionieren zu müssen". Manche Therapeuten befürworten ein Verbot des Geschlechtsverkehrs für eine gewisse Zeit während der Psychotherapie. Reichen diese Maßnahmen nicht aus, ist eine medikamentöse Therapie nötig.

Patienten wollen meist medikamentöse Therapie

Allerdings wollen viele Patienten keine langwierige Psychotherapie abwarten und möchten, dass ihnen sofort geholfen wird. Als zuverlässig wirksam erwiesen haben sich sowohl bei psychogen als auch organisch bedingter ED Substanzen, die das Enzym Phosphodiesterase (PDE-5) in den Corpora cavernosa hemmen und so die Penisdurchblutung verbessern.
Hierzu zählen Sildenafil (Viagra®), Tadalafil (Cialis®) und Vardenafil (Levitra®). Die Arzneien verbessern die Erektion bei über 80 Prozent aller Patienten mit erektiler Dysfunktion.
Manche Urologen gehen bei psychogener ED auch zunächst nach einem Stufenplan vor und beginnen mit Apomorphin (Ixense®, Uprima®). Apomorphin ist ein Dopamin-Agonist und bewirkt eine verstärkte Signalübermittlung aus den Sexualzentren des Gehirns an den Penis. Die Sublingual-Tablette löst sich innerhalb von fünf Minuten unter der Zunge auf und sollte etwa 20 Minuten vor dem Geschlechtsverkehr eingenommen werden. Sie wirkt bei etwa 50 Prozent aller ED-Patienten, nach mehrmaligen Einnahmen bei bis zu 70 Prozent.
Medikamente können
Psychotherapie erleichtern
Eine sofortige medikamentöse Therapie kann sich auch positiv auf eine Psychotherapie auswirken: So haben Urologen die Erfahrung gemacht, dass viele Männer unter medikamentöser Behandlung einer Psychotherapie aufgeschlossener gegenüberstehen als ohne Medikamente.

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