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Allgemeinmedizin 30. Juni 2005

Bei Potenzschwäche gibt es effektive orale Arzneien

Seit fünf Jahren gibt es eine wirkungsvolle orale Therapie gegen erektile Dysfunktion (ED). Damit hat sich das Sexualleben der Betroffenen wesentlich verbessert. Derzeit gibt es vier effektive orale Substanzen für potenzschwache Männer. Damit lässt sich die Erektion bei bis zu 80 Prozent der ED-Patienten verbessern.

Von einer Pille, die die Welt verändert, war im Mai 1998 die Rede, als Sildenafil (Viagra®) auf den Markt kam. Der Erfolg der Arznei ist verständlich, denn Erektionsstörungen kommen sehr häufig bei Männer über 50 Jahren vor und können eine Partnerschaft stark belasten: Von den über 60-Jährigen haben bereits zwei Drittel eine erektile Dysfunktion, so das Ergebnis einer weltweiten Untersuchung mit über 32.000 Patienten.

KHK und Diabetes

Oft treten Potenzstörungen auch zusammen mit einer kardiovaskulären Erkrankung oder einem Diabetes auf. So haben etwa 60 Prozent der Patienten mit Diabetes auch eine Potenzschwäche. Eine ED ist sogar oft das erste Zeichen einer KHK oder eines Diabetes. Als sehr effektiv bei ED-Patienten haben sich Substanzen erwiesen, die selektiv das Enzym Phosphodiesterase-5 (PDE-5) in den Corpora cavernosa hemmen und damit die Penis-Durchblutung verbessern. Sildenafil kam als erster PDE-5-Hemmer auf dem Markt. Inzwischen haben weltweit etwa 20 Millionen Männer das Präparat eingenommen. Die Sicherheit und Wirksamkeit des Mittels ist inzwischen in über 140 Studien bestätigt worden.
Neu hinzugekommen sind in diesem Jahr zwei weitere PDE-5-Hemmer: Tadalafil (Cialis®) und Vardenafil (Levitra®). Diese drei Mittel hemmen in empfohlener Dosierung das Enzym PDE-5 fast komplett und wirken daher ähnlich gut bei ED: In Studien verbesserten alle drei Substanzen die Potenz bei über 80 Prozent der Betroffenen. PDE-5-Hemmer helfen sowohl bei organisch als auch bei psychisch bedingter ED. Kontraindiziert sind sie bei Patienten, die Nitrate oder NO-Donatoren wie Molsidomin benötigen.
Unterschiede bei den drei PDE-5-Hemmern gibt es etwa in der Wirkdauer und dem Beginn der Wirkung. Bei Sildenafil und Vardenafil wird der maximale Wirkspiegel im Schnitt nach 60 Minuten erreicht. Beide Substanzen sollten mindestens eine halbe bis eine Stunde vor dem Geschlechtsverkehr eingenommen werden. Sie unterstützen die Erektion etwa vier bis fünf Stunden.

Unterschiede bei Wirkungsbeginn und -dauer

Bei Tadalafil wird der maximale Wirkspiegel im Serum nach etwa zwei Stunden erreicht, die Wirkung kann über 24 Stunden anhalten. Kaum Unterschiede gibt es offenbar bei den unerwünschten Wirkungen. So können Kopfschmerzen, Dyspepsien, Rhinitis oder Flush-Symptome auftreten, die aber meist nicht sehr schwerwiegend sind.
Bei vorwiegend psychogener Ursache der ED und bei leichter bis mittelschwerer ED kann nach Aussage von Professor Hartmut Porst aus Hamburg auch zunächst mit Apomorphin (Ixense®, Uprima®) begonnen werden. Sublingual eingenommen stimuliert Apomorphin Dopamin-Rezeptoren im Erektionszentrum des Gehirns und verstärkt dadurch den natürlichen Erektionsmechanismus.
Die Wirkung tritt nach etwa zehn bis 15 Minuten ein. Der Anteil der Männer mit ED, die damit eine für den Geschlechtsverkehr ausreichende Erektion erreichten, lag in Studien bei etwa 50 Prozent.
Die Erfolgsquote nimmt mit der Zahl der Einnahmen zu. Apomorphin kann im Gegensatz zu PDE-5-Hemmern auch gleichzeitig mit Nitraten angewandt werden.

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