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Allgemeinmedizin 12. Juni 2013

Gefahr aus Opas Pillendose

Vergiftungen werden häufiger.

Wenn Kinder bei Oma und Opa an das Arzneischränkchen oder das Pillendöschen gehen, kann das fatale Folgen haben. In den USA steigt die Zahl der pädiatrischen Arzneimittelvergiftungen mit gängigen Erwachsenenpräparaten.


Immer mehr Menschen, nicht nur in den USA, schlucken regelmäßig orale Antidiabetika, Lipidsenker, Betablocker oder Opioide. Wer seinem erwachsenen Patienten stark wirksame Medikamente wie diese verschreibt, sollte daran denken, dass die Pillen unter Umständen in die falschen Hände geraten könnten. Besonders für Kinder besteht bei versehentlicher Einnahme die Gefahr einer Vergiftung.

Diesem bislang wenig beachteten Risiko sind US-Forscher um Dr. Lindsey C. Burghardt vom Boston Childrens Hospital jetzt nachgegangen: Sie untersuchten anhand einer speziellen Datenbank, dem National Poison Data System, die Zahl der Vergiftungsfälle bei Kindern und Jugendlichen innerhalb von zehn Jahren. Diese setzten die Forscher in Relation zu den aus dem National Ambulatory Medical Care Survey bekannten Verschreibungen bestimmter rezeptpflichtiger Medikamente an Erwachsene.

Vergiftungsrate steigt mit der Zahl der Verschreibungen

Zwischen 2000 und 2009 war die Zahl der Verschreibungen von oralen Antidiabetika, Lipidsenkern, Betablockern und Opioiden deutlich gestiegen. Diese Anstiege gingen für alle Substanzen mit einer signifikanten Zunahme der gemeldeten Vergiftungsfälle bei Kindern und Jugendlichen zwischen 0 und 19 Jahren einher. Am deutlichsten war dieser Zusammenhang bei den unter Fünfjährigen. Über alle Altersklassen hatten die Vergiftungen mit Opiaten am meisten zugenommen. Insgesamt wurden im Untersuchungszeitraum 38.500 pädiatrische Fälle von Expositionen und/oder Vergiftungen mit oralen Blutzuckersenkern gemeldet, knapp 40.000 Kinder und Jugendliche hatten Lipidsenker geschluckt, fast 50.000 Betablocker und 62.000 Opioide.

Bei den Kleinkindern war die Rate der nicht bestimmungsgemäßen Einnahme bzw. Vergiftung mit Opioiden monatlich um 0,09 pro 1 Million Kinder gestiegen, verglichen mit einem Anstieg von 0,006 bei den Sechs- bis Zwölfjährigen und von 0,04 bei den Teenies zwischen 13 und 19. Aber auch bei den anderen Medikamentengruppen war die Zunahme der Vergiftungsfälle in der Gruppe der Kleinkinder am deutlichsten, mit Raten von monatlich 0,1 bei den Lipidsenkern, 0,08 bei den Betablockern und 0,04 bei den Blutzuckersenkern.

Ein 1%iger Anstieg der Opioidverschreibungen für Erwachsene entsprach einer um ein bis sechs Monate verzögerten Zunahme der Expositionen bzw. Vergiftungen mit einer Rate von 1,53 pro 1 Million Kinder in der Gruppe der Kleinkinder unter fünf. In der Gruppe der 13- bis 19-Jährigen lag diese Rate bei 0,74. Damit überstiegen die Fälle einer Opioidaufnahme/-vergiftung bei den Teenagern bei weitem die Zahl der Fälle im Zusammenhang mit anderen Substanzgruppen.

Dass ein kausaler Zusammenhang mit der Ausstellung von Rezepten für Erwachsene besteht, konnten die Autoren zumindest teilweise mithilfe der Granger Causality Analysis belegen. Bei den Kleinkindern bestand der Zusammenhang für alle Medikamentengruppen, bei den Teenies ausschließlich für Opioide.

Am häufigsten (60,1%) mit der Einweisung in eine Notfallambulanz verbunden war die Einnahme von Antidiabetika, gefolgt von der Einnahme von Betablockern (59,7%). Für die schwersten Fälle, die in eine stationäre Aufnahme mündeten, waren dagegen vor allem Antidiabetika (49,4%) und Opioide (35,2%) verantwortlich.

Arzneimittel kindersicher aufbewahren!

Ärzte sollten Eltern instruieren, wie man Arzneimittel, vor allem stark wirksame Medikamente, kindersicher aufbewahrt, mahnen Burghardt und Kollegen. Bei Teenagern sei nicht auszuschließen, dass sie in voller Absicht auf die Präparate zugriffen, warnen die Autoren. Dies geschehe nicht nur, um „high“ zu werden, sondern bisweilen auch in selbstverletzender Absicht.

Quelle:

Burghardt, L. C. et al. Adult Prescription Drug Use and Pediatric Medication Exposures and Poisonings. Pediatrics 2013; online June 3, 2013 (10.1542/peds.2012-2978)

springermedizin.de/eo/IS, springermedizin.at

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