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© Rade Lukovic iStockphoto / Photos.com plus
 
Allgemeinmedizin 7. Mai 2013

Veränderte Risikoprofile

Wir werden immer älter, aber nicht gesünder.

Die Menschen werden auch hierzulande immer älter. Das muss auf längere Sicht aber nicht so bleiben. Denn Erwachsene weisen heute mehr gesundheitliche Risiken auf als ihre Altersgenossen in früheren Generationen.

Niederländische Forscher sprechen von „Generationsverschiebungen“: Nach ihren aktuellen Daten stehen Erwachsene, was „metabolische“ Risikofaktoren wie Fettleibigkeit und Bluthochdruck betrifft, heute deutlich schlechter da als Menschen gleichen Alters vor zehn oder 20 Jahren.

Fettleibigkeit habe bei Menschen, die heute im Mittel 40 Jahre alt sind, inzwischen ein Ausmaß erreicht, das in früheren Generationen erst im Alter von 55 Jahren beobachtet wurde, sagt Dr. Gerben Hulsegge aus Bilthoven. Die jüngere Generation sei der älteren somit „15 Jahre voraus“ und dementsprechend länger den gesundheitlichen Risiken durch ungünstige metabolische Veränderungen ausgesetzt.

Hulsegge und seine Kollegen haben in einer großen prospektiven Beobachtungsstudie (Doetinchem Cohort Study, Eur J Prev Cardiol 2013; online 15. April) nach möglichen zeitlichen Veränderungen im metabolischen Risikoprofil der erwachsenen Bevölkerung gesucht.

In diese Studie sind zwischen 1987 und 1991 mehrere Tausend Einwohner der Stadt Doetinchem im Alter zwischen 20 und 59 Jahren aufgenommen worden. Sie wurden je nach Altersdekade zu Beginn in „Generationen“ (20 – 29, 30 – 39, 40 – 49 und 50 – 59) eingeteilt und nach sechs, elf und 16 Jahren erneut untersucht. Für die Studie wurden Daten von 6.377 Teilnehmern analysiert. Mit zunehmendem Alter war im Studienverlauf in allen Generationen eine Zunahme von Übergewicht, Fettleibigkeit und Hypertonie zu beobachten. Jedoch war bei Erreichen der gleichen Altersstufe die Prävalenz dieser Risikofaktoren in den jüngeren Generationen in der Regel jeweils signifikant höher als in den älteren Generationen. So waren von den Personen im Alter zwischen 30 und 39 Jahren zu Studienbeginn 40 Prozent übergewichtig. Zehn Jahre später lag die Prävalenzrate in der nächsten Generation von Menschen gleichen Alters bereits bei 52 Prozent.

Die in den jeweils nachfolgenden Generationen zu beobachtende Zunahme von Übergewicht und Fettleibigkeit war bei Männern stärker ausgeprägt als bei Frauen. Allerdings scheinen Frauen aufzuholen: Insbesondere in der jüngsten Generation der Frauen war eine starke Zunahme von Adipositas zu verzeichnen. Nur bei Männern, nicht jedoch bei Frauen, zeigte sich eine ungünstige „Generationsverschiebung“ auch bei der Diabetes-Prävalenz.

Hinsichtlich der Hypercholesterinämie war hingegen in den Nachfolge-Generationen keine ungünstige Entwicklung festzustellen. Dies gilt ebenso für die Prävalenz niedriger HDL-Cholesterin-Werte, für die sich zumindest in den beiden ältesten Generationen sogar Verbesserungen ergaben.

springermedizin.de, Ärzte Woche 19/2013

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