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Allgemeinmedizin 30. Juni 2005

Wunschkinder statt Kinder des Zufalls

Als eine der ersten Institutionen Österreichs hat das Ambulatorium am Fleischmarkt kürzlich eigene Räumlichkeiten für die Mifegyne-Behandlung zur Schwangerschaftsunterbrechung eingerichtet.

"Damit wird ungewollt schwangeren Frauen die Wahlmöglichkeit zwischen der traditionellen Absaugung und dem medikamentösen Schwangerschaftsabbruch geboten", erklärte Alexandra Bösch-Kemter, Leiterin des Bereichs Service und Entwicklung im Ambulatorium am Fleischmarkt. Bei gleichen Kosten von 5.900 Schilling hat Mifegyne v.a. den Nachteil, dass der Zeitaufwand größer als bei der Absaugung ist. So muss die Klientin zunächst einen etwa zweieinhalbstündigen Aufenthalt und etwa 36 bis 48 Stunden danach einen Aufenthalt von bis zu sechs Stunden im Ambulatorium auf sich nehmen. Als Vorteile können gelten, dass der Schwangerschaftsabbruch früher durchgeführt werden kann und mögliche Narkoseängste wegfallen.

Eine zusätzliche Ordination für sehr frühe Schwangerschaftsabbrüche mit Lokalanästhesie wird im Ambulatorium am Fleischmarkt gerade fertiggestellt. Daneben werden auch Sterilisationen für Mann und Frau sowie Familienplanungs- und Verhütungsberatungen angeboten. Bösch-Kemter: "Unserer Erfahrung nach fehlt oft nicht das Wissen über Verhütung, sondern die Sprache dafür." Das Ambulatorium lädt daher regelmäßig Schulklassen in seine Räumlichkeiten ein, um Mädchen und Buben in getrennten Gruppen über Verhütungsmöglichkeiten zu informieren. Darüber hinaus wurde eine Broschüre über Empfängnisverhütung herausgegeben.

Internationale Kooperation

Gleichzeitig gab das Ambulatorium am Fleischmarkt seine Kooperation mit Marie Stopes International, einer Charity Organisation für reproduktive Gesundheitspflege und Familienplanung, bekannt. Die Begründerin Dr. Marie Stopes eröffnete in den Zwanzigerjahren die erste Familienplanungseinrichtung in Großbritannien. Sie trat für das Recht der Paare ein, ohne Fortpflanzungsabsicht ihre Sexualität zu genießen, und dass Frauen genau so viel Freude am Sex haben sollten wie Männer - eine Einstellung, die damals als schockierend empfunden wurde. Seit dieser Zeit bemüht sich die mittlerweile weltweit tätige Institution, die mit lokalen Partnern in mehr als 30 Ländern zusammenarbeitet, um Wahlfreiheit für Paare in der Frage der Fortpflanzung.

Dr. Tim Black: "Als Leiter der Organisation bin ich überzeugt, dass das Recht, selbst darüber zu entscheiden, ob und wann man Kinder haben will und wie viele es sein sollen, das grundlegendste und wichtigste Menschenrecht darstellt." Diese Meinung wird auch von den Vereinten Nationen geteilt. Das Recht auf ein selbstbestimmtes Sexual- und Fortpflanzungsverhalten ist zu einem Fixpunkt auf der internationalen Agenda geworden. Black kritisierte, dass weltweit jedes Jahr 600.000 Frauen an Schwangerschaft oder Geburt sterben.

Hoher Betreuungsstandard

Bösch-Kemter: "Durch unsere Mitgliedschaft bei Marie Stopes International verbinden wir internationales Know-how mit unserer langjährigen Österreicherfahrung. Dies gibt unseren Klientinnen und Klienten die Sicherheit, neueste Informationen zur Familienplanung und den gewohnt hohen Betreuungsstandard zu erhalten. Die Kooperation mit dieser Charity Organisation bietet uns auch weiterhin die Möglichkeiten, den Frauen, die sich in einer finanziellen Notlage befinden, zu helfen."

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