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Allgemeinmedizin 30. Juni 2005

Sofortiger Empfängnisschutz durch Stäbchenimplantation

Über das weltweit erste hormonelle Einzelstäbchen-Implantat, das in Österreich seit Ende Oktober erhältlich ist, sprach die ÄRZTEWOCHE mit Dr. Doris M. Gruber von der Univ.-Klinik für Frauenheilkunde, AKH Wien.

Wie wirkt das Einzelstäbchen-Implantat?

GRUBER: Das Implantat wirkt auf zwei Arten. Einerseits unterdrückt es die Ovulation, es gibt daher kein befruchtungsfähiges Ei. Andererseits wird auch die Viskosität des Gebärmutterschleims erhöht, wodurch zusätzlich die Spermien schwerer eindringen können.

Ein Problem bei hormonellen Verhütungsmitteln speziell bei rein gestagenen Präparaten ist, dass es zu einer Verminderung der Knochendichte kommt. Wie verhält es sich mit dem Einzelstäbchen-Implantat?

GRUBER: Es kommt zu keiner Beeinflussung der Knochendichte, da die körpereigene Östrogenproduktion erhalten bleibt. So kommen auch keine negativen Auswirkungen des Pillenöstrogens auf die Blutfette und die Blutgerinnung nicht vor.

Für welche Zielgruppe erscheint Ihnen das Präparat besonders interessant zu sein?

GRUBER: Zum einen sind das sicher Frauen, die mittelfristig keine Kinder wollen oder größere Abstände zwischen den Geburten planen. Profitieren werden auch Frauen, die viel reisen oder mit anderen hormonellen Kontrazeptiva Probleme haben. Interessant ist Implanon auch, wenn die klassische Kombinationspille aus medizinischen ?erlegungen nicht in Frage kommt.

Sehen Sie Implanon als Alternative für Frauen, die eine Sterilisation in Betracht ziehen?

GRUBER: Der Empfängnisschutz hält ja drei Jahre, das heißt die Frau muss sich drei Jahre lang nicht mit dem Thema auseinandersetzen. Ich kann mir also durchaus vorstellen, dass Frauen diese Methode der Sterilisation vorziehen, da der Frau Zeit bleibt, die Entscheidung einer Sterilisation noch einmal zu überdenken.

Gibt es noch eine Gruppe Frauen, die besonders von dieser neuen Methode profitieren wird?

GRUBER: Da das Implantat die Blutfettwerte und die Blutgerinnung nicht beeinflusst, ist es für Frauen empfehlenswert, die rauchen und über 35 Jahre alt sind.

Ist es auch für eine Frau im Wochenbett geeignet?

GRUBER: Für diese Indikation gibt es derzeit keine klinischen Studien. Sollte sich dennoch eine Frau für diese Art der Empfängnisverhütung entscheiden, sollte das mir ihrem behandelnden Frauenarzt besprochen werden. 

Bisher klingt ja alles wunderbar. Gibt es auch Nebenwirkungen?

GRUBER: Die meistberichteten, nicht-menstruellen unerwünschten Ereignisse während des klinischen Forschungsprogrammes waren Akne, Schmerzen in der Brust, Kopfschmerzen und Gewichtszunahme. Letztere sind allerdings nur teilweise auf die Anwendung des Implantates zurückzuführen. Vielmehr scheint die Gewichtszunahme auf einer normalen Zunahme im Verlauf des Lebens zu beruhen.

Wie steht es um das Blutungsverhalten unter Implanon?

GRUBER: Das ist genau der Punkt, über den die Anwenderinnen unbedingt ausführlichst vor der Implantation aufgeklärt werden müssen. Zur Untersuchung des Blutungsverhaltens wurde eine Analyse von 13 verschiedenen Studien mit insgesamt 1.700 Anwenderinnen durchgeführt. Die untersuchten Frauen waren 18 bis 40 Jahre alt, sexuell aktiv und hatten einen regelmäßigen Zyklus. Die Analyse zeigte, dass es bei 35 Prozent der Frauen zu keinen Veränderungen des Menstruationsmusters gekommen ist. Rund 20 Prozent hatten überhaupt keine Blutungen.

Diese Amenorrhoe war häufig Grund für einen Therapieabbruch?

GRUBER: Nein, das vollständige Ausbleiben der Blutung war selten ausschlaggebend. Blutungsstörungen wie häufige oder unregelmäßige Blutungen waren hingegen der Hauptgrund für einen frühzeitigen Therapieabbruch. Und immerhin kam es bei 26 Prozent der Frauen zu seltenen Blutungen, bei sechs Prozent zu häufigen und bei 12 Prozent zu verlängerten Regelblutungen.

Ausführliche Aufklärung vor Therapiebeginn scheint also das Wichtigste zu sein?

GRUBER: Ja, aber das ist meiner Meinung nach bei jeder Therapie nötig.

Dr. Karin Reischl, Ärzte Woche

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