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Allgemeinmedizin 30. Juni 2005

40 Jahre "Pille": Kontrazeption im Wandel der Zeit

"Heute nimmt etwa jede zweite fruchtbare Österreicherin die Pille - nach einer etwas zurückhaltenderen Phase in den vergangenen Jahren", berichtet Prof. Dr. Werner Grünberger, Vorstand der gynäkologischen Abteilung der Wiener Rudolfstiftung.

Welche Pillenarten - von Ein- bis Dreiphasenpräparaten - propagiert werden, sei einer Art Modetrend unterworfen. Grünberger: "Bei Jugendlichen lege ich Wert darauf, dass die Kontrazeption mit der Patientin oder dem Paar besprochen wird. Außerdem sollte die gewählte Verhütungsmethode individuell abgestimmt sein und die Beratung nicht Broschüren überlassen werden."

Die Entscheidung für eine bestimmte Form der Kontrazeption hänge von mehreren Faktoren ab: Alter; Frequenz der Kohabitation; Partnerwahl und -wechsel; dem medizinischen Verständnis (Vergessen der Pille); Raucheranamnese; Thrombosegefährdung; Regelmäßigkeit des Zyklus und Neigung zu Infekten und Pilzerkrankungen.

Die Pille liegt mit ihrem niedrigen Pearl-Index im Sicherheitsbereich eines Langzeitdepot-Präparates oder einer Tubenligatur. Der fehlende Schutz vor Infektionskrankheiten ist jedoch zu beachten.

Grünberger: "In Österreich werden zahlreiche Präparate angeboten. Bei der Wahl des Kontrazeptivums sind daher auch die Kosten zu berücksichtigen, abhängig vom sozialen Milieu der Patientin." Es sollte auch keine Verordnung ohne gynäkologischen Check-up zu Beginn erfolgen, mindestens einmal im Jahr sei eine Vorsorgeuntersuchung (Sekretabstrich, Krebsabstrich) empfehlenswert.

Hormonelle Kontrazeption

Die Präparate bestehen aus einem Gestagen, das den kontrazeptiven Anteil bildet, und einem Östrogen zur Zyklusstabilisierung. "Je geringer der Östrogenanteil, desto eher kommt es zu Blutungsproblemen", so der Gynäkologe. Dafür könne jedoch das Thrombose- oder Brustkrebsrisiko gesenkt werden. "Das sicherste Produkt für eine Jugendliche mit stabilem Zyklus ist ein reines Gestagen", so Grünberger. In etwa 30 Prozent kommt es jedoch zu Zwischenblutungen.

Die Dreimonatsspritze hat sich besonders bei sozial "problematischen" Patientinnen bewährt. "Generell geht der Trend in Richtung Depotpräparate", stellt Grünberger fest. "Der Kostenfaktor und die mangelnde Compliance vieler Patientinnen, sich bei langwirksamen Präparaten zwischenzeitlich einer gynäkologischen Untersuchung zu unterziehen, schränken den Anwenderinnenkreis jedoch ein." Das Besprechen der geeignetsten Methode mit den Patientinnen sei deshalb von großer Wichtigkeit.

Zur Vermeidung von Einnahmefehlern sind laut Grünberger Gestagen-Implantate oder -Spiralen durchaus empfehlenswert, zumal diese Systeme weniger Gestagen abgeben als orale Kontrazeptiva: "Dennoch dürfte der Anteil der Amenorrhoe etwas höher sein als beschrieben, so dass ich diese Präparate für Teenager nicht empfehlen kann."

Die "Pille" als therapeutische Option

Als Zusatzindikation kann die Pille auch zur Therapie von massiver Akne (mit dem Antiandrogen Cyproteronacetat) eingesetzt werden. Eine Hyper- und Dysmenorrhoe verschwindet in zwei Drittel aller Fälle mit der Gabe eines Gestagens. Grünberger: "Ich vermisse allerdings neben der Gestagenforschung zur Zyklusregulierung weitergehende Untersuchungen natürlicher Östrogene, wie sie in der Hormonersatztherapie verwendet werden." Seit Pincus habe sich der Anteil an Ethinylöstradiol schließlich nicht verändert.

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