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Allgemeinmedizin 30. Juni 2005

Österreicherinnen und die "Pille danach"

Kaum ein Thema der Medizin ist so sehr von Meinungen, persönlichen Einstellungen und Wertehaltungen geprägt wie der Bereich Verhütung und Familienplanung. Kontroversielles Potenzial birgt insbesondere die so genannte Notfallkontrazeption, mit der nach Versagen anderer Verhütungsmethoden, nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr oder nach einer Vergewaltigung eine ungewollte Schwangerschaft nachträglich verhindert werden kann. Neue Umfrageergebnisse belegen die Meinung der Österreicherinnen zum Thema "Pille danach".

Verordnung auf Rezept

Gleich vorweg: eine einheitliche Meinung der Österreicherinnen zur "Pille danach" gibt es nicht. Die Antworten auf eine repräsentative telefonische Umfrage des Marktforschungsinstitutes "Spectra", im November 2000 an 250 Frauen durchgeführt, zeigen vielmehr, wie sehr die persönliche Wertehaltung die Antwort auf einen an sich medizinischen Themenbereich beeinflusst. Bereits sechs Monate nach Einführung von Levonorgestrel (Vikela®) kennt bereits über ein Drittel der befragten Frauen die "Pille danach" - und dies ohne groß angelegte Informationskampagne in der Öffentlichkeit.

Seit Juni 2000 ist mit Levonorgestrel erstmals eine Form der medikamentösen Notfallkontrazeption in Österreich offiziell von den Gesundheitsbehörden registriert. Mit Hilfe dieses Präparates ist die nachträgliche Verhütung auf ärztliches Rezept möglich. Von den Gynäkologen wird dieses neue Präparat durchwegs positiv aufgenommen und als sichere Form der Verhütung begrüßt.

Notfallkontrazeption mit der "Pille danach" wird zwar von einer Mehrheit der Befragten befürwortet, an den Modalitäten scheiden sich jedoch häufig die Geister. Eine Minderheit gibt an, per se gegen diese Form der Notfallkontrazeption eingestellt zu sein, weil in ihren Augen eine Abtreibung vorliegt. Während sich 15 Prozent generell für eine rezeptfreie Abgabe des Präparats in den Apotheken aussprechen, äußern andere Befragte die Befürchtung, dass ohne Beratung durch den Arzt dem Missbrauch Tür und Tor geöffnet sei.

Notfallkontrazeption erfährt große Zustimmung von den Befragten: 49 Prozent meinen, dass sie diese Möglichkeit in Einzelfällen begrüßen, 46 Prozent finden es gut, dass der Arzt dieses Präparat verschreiben kann, ebenso viele wünschen sich mehr Information für die Frauen. Nur 15 Prozent sind generell dagegen, weil sie Notfallkontrazeption generell als Abtreibung empfinden.

Unterschiedliche Gründe

Nach Meinung der Befragten sprechen unterschiedliche Gründe für die nachträgliche Verhütung einer Schwangerschaft. An vorderster Stelle steht eine potenzielle gesundheitliche Gefahr: Die überwiegende Mehrheit meint, dass Notfallkontrazeption bei einer gesundheitlichen Gefährdung der Mutter (74 Prozent) beziehungsweise des Kindes (72 Prozent) eingesetzt werden soll. Soziale Umstände wie zum Beispiel Armut sind für immerhin 41 Prozent ein zulässiger Grund, während 40 Prozent dafür sind, dass Notfallkontrazeption bei Teenagern eingesetzt wird.

Sonderfall Vergewaltigung

Einen Sonderfall stellt Vergewaltigung dar: In diesem Fall stimmt die überwältigende Mehrheit, nämlich 89 Prozent, zu, dass mit Notfallkontrazeption nachträglich zumindest eine Schwangerschaft verhindert werden soll. Eine "eigenmächtige" Entscheidung der Frau wird noch immer nur von einer Minderheit goutiert: Nur 13 Prozent finden den Einsatz von Notfallkontrazeption von Frauen gerechtfertigt, die damit eine Unterbrechung der Berufslaufbahn verhindern möchten.

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