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Allgemeinmedizin 30. Juni 2005

Sterbehilfe bleibt in Österreich weiterhin "kein Thema"

Die Länderkammer in Den Haag nahm vergangene Woche ein entsprechendes Gesetz nach zweitägiger Debatte mit 46 zu 28 Stimmen an, das damit die letzte parlamentarische Hürde nahm. Vor dem Parlament protestierten rund zehntausend Gegner des neuen Gesetzes, das im Sommer in Kraft treten soll. Umfragen zufolge sind jedoch 90 Prozent der Niederländer für das Gesetz.

Unsicherheit beseitigt

Der niederländische Justizminister Benk Korthals sagte vor der Abstimmung, es habe sein Gutes, wenn zu einem bestimmten Zeitpunkt gängige Praxis zum Gesetz werde. Damit würden nur 1993 erlassene Richtlinien bestätigt, die der Sterbehilfe eine vorsichtige Zustimmung erteilt hätten. "Das Gesetz beseitigt Unsicherheiten für Patienten und Ärzte", erklärte Gesundheitsministerin Els Borst. Und die Sterbehilfe sei auch nur die letzte Möglichkeit. Sie verwies darauf, dass Ärzte das Recht haben, sie abzulehnen, und Patienten das Recht haben, sie zu verlangen.

Für Ärzte bedeutet die geplante gesetzliche Regelung, dass sie künftig Sterbehilfe leisten dürfen, ohne eine Strafe befürchten zu müssen. Denn auch wenn die Euthanasie in den Niederlanden schon seit Jahren praktiziert und toleriert wird, so muss ein Arzt doch mit einer Haftstrafe bis zu zwölf Jahren wegen Beihilfe zu einem Selbstmord rechnen.

Das nun zur Unterzeichung durch Königin Beatrix anstehende Gesetz legt strenge Kriterien für eine aktive Sterbehilfe fest. Die Patienten müssen aus freien Stücken und wohlüberlegt ihren Sterbewunsch äußern. Es muss eine enge Arzt- Patienten-Beziehung bestehen. Der behandelnde Arzt muss zudem zur Überzeugung kommen, dass es keine medizinische Alternative zur Sterbehilfe gibt und dem Patienten damit Leiden erspart werden. Zudem muss er einen weiteren Arzt hinzuziehen. Das Leben des Kranken muss dem Gesetz nach in einer "medizinisch angemessenen Weise" beendet werden.

In Österreich ist eine Sterbehilfe-Regelung nach dem Modell der Niederlande "kein Thema". Diese Haltung hat Gesundheitsstaatssekretär Dr. Reinhart Waneck schon im Herbst 2000 bei der Sterbehilfe-Debatte in den Niederlanden geäußert und nun bestätigt. Die Regierung habe keinerlei Pläne in diese Richtung.

Klare Ablehnung

Für die ärztliche Standesvertretung hat sich Präsident Dr. Otto Pjeta entschieden gegen das in den Niederlanden verabschiedete Euthanasiegesetz ausgesprochen: "Diese Entwicklung bereitet uns Sorgen, denn die Tötung auf Verlangen widerspricht der Ethik österreichischer Ärzte. Wir Ärzte sind verpflichtet, die Beschwerden Sterbender zu lindern und ihnen zu helfen, indem wir ihnen menschliche Zuwendung zukommen lassen und bei Schmerzen Erleichterung verschaffen." Es könne nicht Aufgabe der Ärzte sein, zur willentlichen Beendigung menschlichen Lebens beizutragen, zumal hier ein möglicher Missbrauch nicht ausgeschlossen sei.

In der Gesellschaft solle hingegen überlegt werden, welche über das derzeitige Angebot hinausgehenden Hilfestellungen todkranker Patienten gegeben werden könnten. Pjeta: "Hier ist die Politik aufgefordert, eine qualitativ hochwertige Betreuung in den letzten Tagen des Lebens auch durch entsprechende Finanzierung sicherzustellen." 

Frage der Betreuung

Die Betreuungsstrukturen müssten nicht nur fallweise gefördert, sondern auch institutionalisiert werden. Der Ärztepräsident ist sich sicher, "dass bei optimaler Betreuung niemand den Wunsch äußert, von Leiden erlöst und getötet zu werden".

Laut Gesundheits-Staatssekretariat werde im Rahmen der Krankenanstaltenplanung besonderes Augenmerk auf Palliativmedizin und Hospizmedizin gelegt.

Mittels Umschichtungen sollen mehr Abteilungen für Schmerzmedizin und für Sterbebegleitung geschaffen werden. Dieser Bereich sei in den letzten Jahren vernachlässigt worden, diese Lücke solle nun geschlossen werden. Am 9. Mai wird zu diesem Thema eine "Palliativ-Enquete" in Wien stattfinden.

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