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Allgemeinmedizin 30. Juni 2005

Sterbehilfe in Belgien

Ein Jahr nach den Niederlanden und als zweites Land weltweit will Belgien die Sterbehilfe per Gesetz erlauben. Über eine entsprechende Vorlage stimmte das Abgeordnetenhaus in Brüssel ab. Die Voraussetzungen für den "sanften Tod" sind streng geregelt; gleichzeitig sollen Schmerztherapien an Kliniken weiter entwickelt werden. Der belgische Senat hatte bereits im Oktober vergangenen Jahres seine Zustimmung gegeben.

Den Anstoß zu der Gesetzesänderung hatte die seit Juni 1999 regierende Koalition aus Liberalen, Sozialisten und Grünen gegeben, nachdem die 41 Jahre lang allein regierenden Christsozialen die Debatte zuvor unterdrückt hatten. Erstaunlicherweise löste der Vorschlag gerade im mehrheitlich katholischen Belgien keine nennenswerte Polemik aus. Laut einer Umfrage, die von der katholischen Tageszeitung "Freies Belgien" im vergangenen Jahr veröffentlicht wurde, sprachen sich 72 Prozent der Belgier für Sterbehilfe unter genau festgelegten Voraussetzungen aus.

Das geplante Gesetz schreibt vor, dass ein Arzt nur dann Sterbehilfe leisten darf, wenn sein Patient "infolge eines Unfalls oder einer unheilbaren Krankheit" ein "dauerndes und unerträgliches physisches oder psychisches Leiden" ertragen muss und sich in einer "medizinisch ausweglosen Situation" befindet. Der Arzt muss darüberhinaus sicherstellen, dass der Patient bei Bewusstsein ist und "freiwillig, überlegt und wiederholt" um Sterbehilfe bittet. Der Antrag darf nicht "aus äußerem Druck resultieren". Minderjährige haben kein Recht auf Sterbehilfe.

Gleichzeitig stimmten die Abgeordneten in Brüssel über ein Gesetz zur Schmerztherapie ab, die jedem Patienten per Gesetz zustehen soll. Damit will die Regierung vermeiden, dass benachteiligte, vereinsamte oder labile Menschen aus finanziellen Gründen vorschnell Sterbehilfe beantragen. Die Ärzte sind verpflichtet, sterbewillige Patienten über die Therapiemöglichkeiten in den Krankenhäusern aufzuklären. 

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