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Allgemeinmedizin 30. Juni 2005

Mythos Ecstasy

Vier Jahre "ChEckiT!" - was lässt sich bisher sagen?

KRIENER: Mit "ChEckiT!" haben wir eine effiziente Methode gefunden, die Zielgruppe niederschwellig zu erreichen. Ich glaube, dass das Modell gut auf andere Bereiche und Subkulturen übertragbar wäre, etwa auf die HipHop- oder Skater-Szene. Generell werden zielgruppenspezifische Ansätze in der Sucht- und Drogenprävention immer wichtiger. Gefragt ist die Affinität zum Einsatzbereich: Multiplikatoren, die mit der Szene vertraut sind, werden auch schnell das Vertrauen der Szene gewinnen.

Haben sich die Konsummuster innerhalb der vier Jahre verändert?

KRIENER: Betrachtet man die Rave-Szene historisch, so ist es relativ bald zu einem Bruch gekommen: weg vom reinen Ecstasy-Konsum hin zum gefährlicheren Mischkonsum. Ecstasy wird heute zusammen mit Alkohol, Speed, mitunter auch Cannabis oder Halluzinogenen wie LSD konsumiert. Es ist mittlerweile bekannt, dass es den klassischen Ecstasy-Konsumenten nicht gibt. Dabei handelt es sich um einen Mythos aus der Zeit des Ursprungs von Rave und Techno.

Wie lässt sich das Gefahrenpotenzial durch Ecstasy heute einschätzen?

KRIENER: Es gibt eine wissenschaftliche Diskussion über die längerfristigen Auswirkungen chronischen Ecstasy-Konsums. Die Forschung weist gegenwärtig darauf hin, dass dieser vermutlich zu Veränderungen im serotonergen System führt. Die neurodegenerative Wirkung dürfte im Zusammenhang mit der kumulativen Gesamtdosis stehen. Man weiß aber noch nicht genau, ob es sich um eine reversible Störung handelt und ab welcher Gesamtdosis Schäden zu erwarten sind. Kurzfristige Gefahren sind vor allem das Ansteigen der Körpertemperatur in Kombination mit der Antriebssteigerung durch den Ecstasy-Konsum. Letztere verleitet zu stundenlangem Tanzen in schlecht durchlüfteten Räumen. Wenn akute Zwischenfälle entstehen, ist meist auch Alkohol im Spiel.

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