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Allgemeinmedizin 30. Juni 2005

Ecstasy ist die Droge der Ängstlichen

Würzburg. Die Schäden, die durch den Konsum der Designerdroge Ecstasy ausgelöst werden, sind bislang offenbar unterschätzt worden. Denn ein Teil ist wohl irreversibel. Zwischen 60 und 80 Prozent der Ecstasy-Konsumenten, die im Laufe ihres Lebens mindestens 500 Tabletten geschluckt haben, entwickeln depressive Störungen.

Über diese spezifischen depressiven Störungen hinaus sei bei intensiven Ecstasy-Konsumenten die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass im Laufe der Drogenkarriere ganz generell eine psychiatrische Störung auftritt, erläuterte Dr. Rainer Thomasius bei der 5. suchtmedizinischen Fortbildungsveranstaltung an der psychiatrischen Klinik der Uni Würzburg. Die Einnahme des lange Zeit als Partydroge verharmlosten Stoffes sei so gefährlich, weil kein Konsument wissen könne, was er eigentlich genau einnimmt. So sind bei Ecstasy-Konsumenten in den vergangenen Jahren zunehmend unerklärbare psychotische Störungen und schwere internistische Komplikationen diagnostiziert worden. Nach Angaben von Thomasius ist der Ecstasy-Konsum in der ganzen Welt nirgends so hoch wie in Deutschland. In städtischen Ballungsgebieten hätten derzeit etwa 15 Prozent der Erwachsenen Ecstasy-Erfahrung.

Die neuen Erkenntnisse über Ecstasy basieren auf einer Hamburger Querschnittsstudie, in die mehr als 100 stark abhängige Konsumenten von Ecstasy einbezogen waren. Nach den Erkenntnissen aus der Untersuchung, die vom Bundesministerium für Gesundheit in Auftrag gegeben worden ist, konsumieren gerade Jugendliche den gefährlichen Suchtstoff, um ihre Probleme zu "regulieren.? Dabei fällt auf, dass besonders ängstliche Jugendliche mit wenig Selbstvertrauen überdurchschnittlich häufig auf Ecstasy zurückgreifen.

Die Forscher konnten auch nachweisen, dass die Partydroge im Gegensatz zu Cannabis keine Einstiegsdroge ist und dass es den reinen Ecstasy-Konsumenten praktisch nicht gibt. Immerhin 98 Prozent der Abhängigen nehmen auch andere illegale Drogen zu sich, zumeist Cannabis, Amphetamine oder Kokain.

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