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Allgemeinmedizin 30. Juni 2005

Weniger Heroin, mehr Ecstasy

Vorarlbergs Gesundheitslandesrat, der Internist Dr. Hans-Peter Bischof, präsentierte vergangenen Montag den "Vorarlberger Drogenbericht 2000", die erste Dokumentation dieser Art. Wesentlichstes Ergebnis der Studie: der Heroinmissbrauch sinkt, aber der Trend zu Designerdrogen wird immer stärker.

Der Drogenbericht, der künftig regelmäßig publiziert werden soll, beschränkt sich auf den Gebrauch illegaler Drogen und basiert auf Daten aus Therapiestationen, Beratungsstellen und Kriminalstatistik. Die signifikantesten Ergebnisse: In Vorarlberg werden zurzeit 1.000 Suchtkranke betreut. 387 davon erhalten Ersatzdrogen wie Methadon (45,6%), Substitol (33,2%) und andere (22,2%). In den letzten fünf Jahren ist die Zahl der Heroinabhängigen stark gesunken (von 86 auf 44 Prozent); die Zahl der stationären Aufenthalte, HIV-Kranken und Drogentoten ebenso. 1995 wurden 25 Drogenopfer verzeichnet, im Jahr 2000 zehn. Extrem gestiegen ist die Abgabe von sterilen Spritzbestecken - von 44.584 Stück 1995 auf 158.785 im Vorjahr. Immer mehr junge Menschen greifen auch in Vorarlberg zu so genannten Designerdrogen. Innerhalb von fünf Jahren stieg der Missbrauch von Amphetaminen um 60 Prozent, von LSD um12 Prozent und Ecstasy um 14 Prozent. Die Motive, Drogen zu nehmen, waren bei 83,9 Prozent der ErstkonsumentInnen Neugier, bei 68,3 Prozent "die Freunde tun’s auch" und bei 28,7 Probleme mit dem Elternhaus.

Gleich geblieben ist in Vorarlberg der Cannabiskonsum. 96 Prozent der von der Untersuchung erfassten "Suchtmittelkonsumenten" kiffen. Bischof: "Das Einstiegsalter bei Cannabis liegt bei 17 Jahren. Das kann nicht bagatellisiert werden."

Nun soll das zehn Jahre alte Vorarlberger Drogenkonzept überarbeitet und um die Problematik Designerdrogen erweitert werden. Prim. Dr. Reinhard Haller, Leiter des Instituts für Suchtforschung und Drogenbeauftragter des Landes, sieht in den "Partydrogen" eine "neue Herausforderung an die Prävention". Schließlich hätten sich die Motive der Konsumenten gewandelt: "Waren es früher Probleme mit Schule oder Eltern, so haben wir es heute mit vergnügungsbezogener Motivation zu tun." Haller will dem Freizeitkick Rausch "auf der rationalen Ebene", mit "mehr naturwissenschaftlichen Informationen" begegnen: "Wir müssen den Jugendlichen sagen, was Ecstasy im Zentralnervensystem anrichten kann."

JUTTA BERGER, Ärzte Woche 17/2001

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