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Allgemeinmedizin 30. Juni 2005

Drogenprävention direkt vor Ort

Die Suchtprävention hat mittlerweile nicht nur lebensweltorientierte oder geschlechtssensible, sondern auch kulturell adäquate Konzepte hervorgebracht.

Anfang der neunziger Jahre hatte sich im Umfeld der Rave- und Technoszenen eine internationale Jugendkultur formiert, in deren Rahmen der Konsum neuer synthetischer Drogen mit neuartigen Gebrauchsmustern einherging.

Auf die Probleme und Bedürfnisse der jugendlichen, sozial durchwegs angepassten Klienten war das traditionelle präventive Hilfssystem nicht vorbereitet. In mehreren europäischen Städten wurden daraufhin neue Wege der Schadensbegrenzung beschritten. In Wien widmet sich das wissenschaftliche Pilotprojekt "Check-it" seit 1997 einer szenennahen, "aufsuchenden" Sozialarbeit und bringt primär- und sekundärpräventive Ansätze zur Verschmelzung.

Amphetaminderivate mit der Bezeichnung "Ecstasy" (d.h. MDMA, MDA, MDE, MBDB) gelten zwar als paradigmatische Droge der Subkultur, sind aber keineswegs die einzigen Substanzen, denen in der Szene Bedeutung zukommt. Im letzten Jahresbericht der europäischen Drogenbeobachtungsstelle in Lissabon (2000) kam besondere Besorgnis über den hohen Drogenmischkonsum in den Rave- und Techno-Szenen zum Ausdruck (siehe auch Interview). Amphetamine und Ecstasy stehen in der EU nach Cannabis an zweiter Stelle des illegalen Drogenkonsums.

Eine der größten Gefahren beim Konsum von "Designer-Drogen" ist die Unsicherheit bezüglich des Produkts: Die äußere Erscheinungsform der Tabletten verrät nichts über deren Inhaltsstoffe, Zusammensetzung und Dosierung. Besonders gefährliche Substanzen wie PMA, das letztes Jahr für den Tod eines 17-jährigen Kremser Lehrlings verantwortlich war, zirkulieren nach wie vor auf österreichischen Rave-Veranstaltungen.

Als mittlerweile einziges Projekt in Österreich bietet "Check-it" eine anonyme und kostenlose chemische Analyse psychoaktiver Substanzen an. Die Substanzanalysen ermöglichen, einen Überblick über den illegalen Drogenmarkt zu gewinnen, vor bedenklichen Proben zu warnen und Interesse für das Beratungsangebot zu wecken.

Die Akzeptanz des Projekts ist für österreichische Verhältnisse nicht schlecht. Journalisten, die sich die Zeit nehmen, den Ablauf eines "Drug-Checking"-Einsatzes zu verfolgen, berichten positiv und auch die meisten Politiker verzichten auf jeglichen Populismus.

Die so wichtige Zusammenarbeit mit der Kriminalpolizei ist in Wien vorbildlich. Auch in den Bundesländern hat man gelernt. Schließlich sind Beispiele bekannt, wo das Eingreifen der Polizei die Präventionsbemühungen zunichte gemacht hat. Den "Usern" wurde damit die Vertrauensgrundlage entzogen.

Die Folgen waren absehbar: Zerstreuung der Szene im Untergrund, keine Informationen über die zirkulierenden Substanzen sowie keinerlei Interventionsmöglichkeiten.

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