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Allgemeinmedizin 30. Juni 2005

Modedroge Ketamin: "Ich habe keinen Körper mehr!"

Hamburg. Das Anästhetikum Ketamin findet als Modedroge unter Jugendlichen in Deutschland immer weitere Verbreitung, warnt die Deutsche Angestellten Krankenkasse (DAK) in Hamburg. Die Europäische Union ruft jetzt dazu auf, verstärkt die Anwendung von Ketamin zu erfassen.

Meist wird nach Angaben der DAK das kristalline Pulver geschnüffelt oder geschluckt. Das Kurzzeitnarkotikum wird in der Drogenszene als Special-K, Kate oder Vitamin K verkauft. Eine Überdosierung kann lebensgefährlich sein. Die in der klinischen Anwendung als unerwünscht eingestuften Wirkungen von Ketamin, vor allem in der Aufwachphase, sind gerade jene Effekte, die die Drogenkonsumenten erreichen wollen: optische und akustische Halluzinationen, Nah-Tod-Erlebnisse oder dissoziative Erlebnisse wie das Gefühl, gar keinen Körper zu haben. Zunächst kommt es innerhalb von Sekunden zur Bewusstlosigkeit und Analgesie. Dies hält dosisabhängig einige Minuten an. Die Aufwachphase ist durch Somnolenz und Schmerzunempfindlichkeit gekennzeichnet, was die Gefahr schwerer Verletzungen erhöht. Wegen des ausgeprägten First- pass-Effektes an der Leber werde ein Teil der Substanz dann schon eliminiert, bevor er an den Wirkort gelange, so Dr. Martin Ebbecke vom Giftinformationszentrum-Nord in Göttingen.

Gefährlich werden könnten die für Ketamin typische Steigerung des Blutdrucks und der Herzfrequenz sowie des Hirndrucks. Wichtiger ist jedoch, dass es nach intravenöser Applikation von Ketamin zum sofortigen Atemstillstand kommen kann. AbgeseheKurzzeitnarkotikum wirdn davon werden bekanntlich häufig Drogencocktails aus verschiedenen Substanzen konsumiert, was die Gefahr fataler Wirkungen erhöht. Es gibt kein Ketamin-Antidot. Trotzdem ist es wichtig, die Nebenwirkungen zu kennen.

Bei entsprechenden Notfällen rät Ebbecke Ersthelfern zu den üblichen Maßnahmen zur Sicherung der Vitalfunktionen sowie symptomatisch zu behandeln. Danach müsse der Patient unter intensivmedizinischen Bedingungen weiterbetreut werden.

Wie verbreitet die Droge in Deutschland ist, weiß man nicht genau.

In Göttingen, wo Giftexperten vor allem Anfragen aus Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein beantworten, und auch in der Beratungsstelle für Vergiftungen in Mainz seien nur wenige Anfragen zu Ketamin gekommen.

Allerdings werde mit den üblichen Drogentests auch nicht routinemäßig auf Ketamin getestet, so Ebbecke .

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