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Allgemeinmedizin 30. Juni 2005

Reisediarrhoe erwischt jeden Dritten

Diarrhoe gehört fast zum Alltag von Tropenreisenden. Und Durchfälle sind wirklich die häufigsten Gesundheitsprobleme auf Reisen in Länder mit einem niedrigeren Hygienestandard.

Die Inzidenz der Diarrhoe bei Reisen in tropische und subtropische Regionen liegt durchschnittlich bei 30 bis 40 Prozent, auf einigen Nilkreuzfahrtschiffen erleiden sogar bis zu 80 Prozent der Passagiere den so genannten Pyramiden-Sidestep.

Beginn meist am dritten Tag

Reisediarrhoe sollte deshalb in das Beratungsgespräch vor einer Reise in ein tropisches oder subtropisches Land miteinbezogen werden. Da nur etwa ein Prozent der Patienten stationär ins Krankenhaus müssen und etwa 20 Prozent bettlägrig sind, kann man bei den restlichen 80 Prozent von einer milden Form der Diarrhoe sprechen.
In 90 Prozent der Fälle tritt die Reisediarrhoe innerhalb der ersten zwei Wochen auf, meistens schon am dritten oder am vierten Tag nach Ankunft. Die meisten Patienten haben vier bis fünf Durchfälle pro Tag, jedoch bei mindestens 20 Prozent sind es bis zu 20 wässrige Entleerungen täglich. Eine durchschnittliche Dauer wird mit drei bis fünf Tagen angegeben. Bei acht bis 15 Prozent dauert sie über eine Woche, und zwei bis drei Prozent entwickeln eine chronische Diarrhoe (vier Wochen).
Etwa 80 Prozent der Reisediarrhoen sind bakterielle Infektionen. Man kann von einer bakteriell verursachten Diarrhoe ausgehen, wenn diese bereits während des Aufenthaltes in der tropischen Region oder auch kurz nach der Rückkehr auftritt. Auch viral bedingte Enteritiden haben nur eine kurze Inkubationszeit. Von parasitären Erregern muss ausgegangen werden, wenn sich die Krankheit nach mehr als zehn Tagen nach der Rückkehr manifestiert oder bei anhaltenden oder rezidivierenden Durchfällen.

Rehydratation wichtig

Was rät man Reisenden vorab? Bei einer unkomplizierten Reisediarrhoe reicht oft schon der Ausgleich des Mineral- und Flüssigkeitsverlustes: Die Kranken sollten viel trinken und Salz zu sich nehmen. Ist der Elektrolytverlust hoch, wird eine orale Rehydratation mit Fertigpräparaten empfohlen, vor allem bei Kindern. Ein Getränk nach der WHO-Regel zubereitet: acht Teelöffel Zucker und ein gestrichener Teelöffel Kochsalz auf einen Liter abgekochtes Wasser.
Bei Warnsymptomatiken wie profuse Diarrhoen und/oder massives Erbrechen, Blutbeimengungen im Stuhl oder blutig-schleimige Durchfälle, hohes und/oder anhaltendes Fieber und ausgeprägte Allgemeinsymptome wie starke Dehydratation sollte ein Arzt aufgesucht werden.
Zur symptomatischen Therapie sind Saccharomyces-boulardii-Mittel und Motilitätshemmer wie Loperamid-Präparate geeignet. Loperamid-Substanzen können Durchfallvolumen und Stuhlfrequenz rasch reduzieren, begünstigen jedoch Enteroinvasivität und Darmatonie. Die Indikation zur ungezielten Initialtherapie ist umstritten. Von einigen Autoren wird schon bei unkomplizierter wässriger Reisediarrhoe eine empirische Initialtherapie mit Chinolonen als Mittel der Wahl empfohlen. Und wenn, dann Ciprofloxacin zweimal 500 mg täglich über ein bis drei Tage oder bis zur Besserung der Symptome.

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