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Trotz aller Vertrautheit kann es gefährlich werden.
 
Allgemeinmedizin 17. März 2013

Hunde schnappen nach den Kleinsten

Drei Viertel aller Bissverletzungen betrifft Kinder bis zu fünf Jahren.

Lippen, Zunge, Wangen und Finger sind die häufigsten Körperteile, an denen Kinder Bisswunden erleiden. Dabei liegt die Zahl der durch Hunde verursachten Bissverletzungen etwa so hoch wie die der Menschenbisse. Letztere kommen meist durch Selbstverletzungen zustande. Dies ergab eine retrospektive Studie, die Ursachen und Folgen von Bissverletzungen untersuchte.

Stellt sich ein Patient mit Bissverletzung vor, gilt es schnell einzuschätzen, wie hoch das Infektionsrisiko ist, ob ein Antibiotikum benötigt wird oder ob die Wunde eventuell chirurgisch versorgt werden muss. Doch sowohl die Art des Wundmanagements als auch die Frage nach einer Antibiotikaprophylaxe werden in der Literatur kontrovers diskutiert. Manuela Jaindl und Kollegen aus Wien, werteten jetzt die Daten von 1.592 Kindern aus, die zwischen 1992 und 2011 im Traumazentrum der Medizinischen Universität Wien nach Bissverletzungen versorgt worden waren.

Dabei waren 43,8 Prozent der im Durchschnitt 7,7 Jahre alten Kinder von einem Hund gebissen worden, 3,9 Prozent von einer Katze, 8,7 Prozent von anderen Tieren und 43,6 Prozent hatten Menschenbisse erlitten. Bekannte Hunde hatten am häufigsten in die Wange gebissen, Katzen und andere Tiere eher in den Finger. Fremde Hunde dagegen schnappten bevorzugt nach dem Oberschenkel, unbekannte Katzen lieber nach der Hand, und alle anderen Tiere bissen am häufigsten in den Finger. 444 Kinder hatten sich selbst auf die Lippe gebissen, 134 auf die Zunge und 22 in die Wange. Die häufigsten Fremdbisse verletzten Lippen (16), Finger (13) und Wangen (10).

Zu 55,2 Prozent waren Buben, zu 44,8 Prozent Mädchen betroffen, wobei die meisten Hundebisse eher bei Buben vorkamen, Katzenbisse dagegen häufiger bei Mädchen.

10,7 Prozent der Wunden hatten sich infiziert, am häufigsten, wenn sie durch einen Katzenbiss entstanden waren (37,1 % Primär- und Sekundärinfektionen versus 14,6 % nach Hundebissen versus 3,5 % nach Menschenbissen). Bei punktierten Wunden und solchen größer als drei Zentimeter war die Infektionsrate dreimal größer als bei allen anderen Verletzungen. 13,9 Prozent der Kinder hatten eine primäre Antibiotikatherapie erhalten, 1,3 Prozent eine sekundäre.

Die sekundären Infektionsraten waren signifikant höher bei Patienten, die eine primäre Antibiotikatherapie erhalten hatten (14,9 % versus 3,7 %). 1,7 Prozent der Kinder waren chirurgisch versorgt worden.

Fazit der Autoren

Zusammenfassend konnten die Autoren feststellen, dass fast drei Viertel aller Bissverletzungen, die durch Hunde verursacht wurden, Kinder im Alter bis zu fünf Jahren betrafen. Dabei waren es überwiegend bekannte Tiere, die plötzlich wild wurden. Dies liegt einerseits daran, so die Autoren, dass kleine Kinder das Verhalten der Tiere nicht einschätzen können, andererseits befinden sich die Hauptangriffspunkte wie Gesicht und Hände etwa auf gleicher Höhe mit dem Hund.

Nur wenige der Wunden benötigten eine chirurgische Versorgung, und auch eine Antibiotikatherapie war nicht oft erforderlich. Demnach ist bei rascher Erstversorgung und enger Wundkontrolle offenbar in der Regel mit einer unkomplizierten Wundheilung zu rechnen.

 

Originalpublikation: Jaindl M et al. The management of bite wounds in children—A retrospective analysis at a level I trauma centre. Injury 2012; 43: 2117–21

springermedizin.de/KK, Ärzte Woche 11/2013

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