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Wenn Husten, rauer Hals und Heiserkeit über mehrere Wochen anhalten, sollte die Speiseröhre einer Untersuchung zugeführt werden.
 
Allgemeinmedizin 5. März 2013

Bei Husten und Heiserkeit auch an die Speiseröhre denken

Reflux äußert sich nicht immer nur durch Sodbrennen, saures Aufstoßen oder Magendrücken.

Erkältungen mit Husten, Schnupfen und Heiserkeit haben Hochsaison. Bleiben Symptome wie Husten, rauer Hals und Heiserkeit allerdings länger als eine Woche bestehen, sollte die Ursache auch in der Speiseröhre gesucht werden.

Wenn Elisabeth S. morgens aufsteht, muss sie sich erst einmal räuspern. Viele Male räuspern. Sie fühlt sich – vor allem morgens – verschleimt und versucht so, ihren Hals „frei zu bekommen“.

„Ich bin auch häufig heiser und leichtes Halsweh habe ich seit Wochen“, berichtet sie im Gespräch mit dem Reflux-Spezialisten Prof. Dr. Martin Riegler vom Reflux Medical Diagnose- und Therapiezentrum in Wien. Auch ein unregelmäßiger Husten plagt die Patientin schon seit geraumer Zeit: „Ich dachte zuerst, es sei eine sehr hartnäckige Erkältung.“ Damit irrte die Patientin: Husten, vermehrte Schleimproduktion, Halsschmerzen und Heiserkeit können ihre Ursache nämlich nicht nur in Erkältungsviren, sondern auch in der Speiseröhre haben.

Kleine Ursache – große Wirkung

„Ein kleines Ventil am Ende der Speiseröhre kann für diese Probleme verantwortlich sein“, erläutert Riegler und deckt auf, wie es zu den Symptomen kommen kann: „Durch häufiges Überdehnen des Magens und zu süße Speisen kann das Antirefluxventil ausleiern und die Speiseröhre zum Magen nicht mehr richtig verschließen. Es kommt regelmäßig zum Rückfluss von Mageninhalt in die Speiseröhre.“ Und dieser Rückfluss reizt die Nerven im Ausgang der Speiseröhre: „Diese Nerven sind mit den Nerven im Hals verbunden“, fügt Riegler hinzu. „Und deshalb kann es – bei einem undichten Antirefluxventil – zu Entzündungen im Hals mit Halsschmerzen, Husten, Heiserkeit und vermehrter Schleimproduktion im Rachen kommen.“

Schmerzlose Untersuchung

Reflux äußert sich also mitnichten allein durch Sodbrennen, saures Aufstoßen oder Magendrücken, sondern kann auch zu den oben beschriebenen Symptomen führen. Wenn die Beschwerden über mehrere Wochen anhalten, sollte die Speiseröhre gründlich untersucht werden. „Reflux ist kein Schicksal und muss nicht dauerhaft ertragen werden“, stellt Riegler klar. „Eine aussagekräftige Spiegelung der Speiseröhre schafft Klarheit über die Ursachen der Beschwerden.“

Bei der sanften Gastroskopie wird der Ausgang der Speiseröhre ganz genau untersucht. Der Patient spürt dabei gar nichts. „Ich bekam eine Spritze und bin sofort eingeschlafen“, berichtet auch Elisabeth S.

„Während der endoskopischen Untersuchung werden Gewebeproben nach einem strengen Protokoll aus dem Ausgang der Speiseröhre entnommen und nach einer ganz bestimmten Klassifizierung untersucht“, erklärt Riegler. Mithilfe dieser Chandrasoma-Klassifzierung (nach dem Entwickler Prof. Dr. Para Chandrasoma von der University of Los Angeles) kann Folgendes festgestellt werden:

• Ob und in welchem Ausmaß Schäden in der Speiseröhre vorliegen.

• Ob eine Gewebsveränderung mit Krebsrisiko besteht (Barrett-Ösophagus).

• Ob das Bild zu den Beschwerden im Hals passt.

• Ob Reflux zu einer Gewebeveränderung im Eingang der Speiseröhre geführt hat.

Werden einer oder mehrere der vier Punkte festgestellt, folgen weitere Untersuchungen, um die Diagnose zu erhärten und eine wirkungsvolle Therapie einzuleiten. „Dazu gehört die Manometrie, also die Druckmessung, sowie die Refluxmessung in der Speiseröhre“, erklärt Riegler. „Mit diesen Untersuchungen erfolgt der Nachweis, dass der Reflux tatsächlich für die Halsbeschwerden verantwortlich ist.“

Wenn die Beschwerden aufgrund der umfassenden Untersuchungen tatsächlich einem funktionsgestörten Antirefluxventil zugeordnet werden können, bestehen mehrere Therapieoptionen. An erster Stelle steht dabei die Lebensstilmodifikation. „Verzichtet werden sollte auf zuckerhaltige Produkte, auf blähende Speisen und auf zu große Portionen“, so Riegler. „Lieber mehrmals täglich kleine Portionen essen, das verhindert die Magenüberdehnung.“ Um die Säureproduktion im Magen zu verringern, können auch Protonenpumpenhemmer eingenommen werden.

Chirurgische Wiederherstellung

Die dritte Möglichkeit ist die operative Wiederherstellung des Antirefluxventils. Dazu gibt es zwei Möglichkeiten: „Ist das Ventil nur leicht bis mittelschwer geschädigt, kann mittels Schlüssellochchirurgie ein Ring aus magnetisierten Titanperlen um den Ausgang der Speiseröhre gelegt werden“, erklärt Riegler. „Dieser Ring sorgt für einen mechanischen Verschluss des Antirefluxventils, öffnet sich aber, um Nahrung in den Magen zu lassen.“

Eine weitere Möglichkeit ist die chirurgische Wiederherstellung des Antirefluxventils mit der sogenannten Fundoplicatio. Dabei wird ein Teil des Magens (der Fundus) – ebenfalls schlüssellochchirurgisch – um das beschädigte Ventil gelegt und so die Funktion wieder hergestellt. Dieses Verfahren kommt bei einem schwer geschädigten Ventil zur Anwendung.

Beide Verfahren sind sehr wirksam: „Über 90 Prozent der Patienten haben auch fünf Jahre nach dem Eingriff keine Refluxprobleme“, berichtet Riegler.

Auch bei Elisabeth S. lag die Ursache für ihre „Erkältungssymptome“ in der Speiseröhre. Mithilfe von Lebensstiländerungen und der Einnahme von Protonenpumpenhemmern fühlt sie sich mittlerweile wieder wohl: „Ich bin froh, mich morgens nicht mehr stundenlang räuspern und husten zu müssen.“

Um ihr Antirefluxventil wieder herzustellen, hat sie sich zudem für die Applikation des Rings entschieden, um auf die dauernde Medikamenteneinnahme bald wieder verzichten zu können.

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