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Im Blisterzentrum werden alle Vorgänge für die patientenindividuelle Medikamentenvorbereitung durchgeführt.

Aufbereitung der Medikamente in normierten Behältern, ...

die sodann - in spezielle „Kanister“ eingehängt - ...

... in die Neuverblisterungsmaschine sortiert werden ...

 

... und qualitätsgesichert elektronisch codiert sind.

Über Computer erfolgt die Anforderung für die patientenindividuelle ...

© Kienast (7)

... Verpackung, die von der Pharmazeutin kontrolliert wird.

 
Allgemeinmedizin 5. Februar 2013

Mehr Sicherheit mit Schlauchblistern

Die patientenindividuelle Vorbereitung der Medikation bringt chronisch kranken Patienten höhere Sicherheit.

Je mehr Medikamente ein chronisch Kranker einnehmen muss, desto höher ist das Risiko für Einnahmefehler. In einer immer älter werdenden Gesellschaft mit einem hohen Anteil multimorbider Menschen stellt dies ein zunehmendes Problem mit hohem Leidensdruck für den Patienten und nicht unbeträchtlichen Folgekosten für das Gesundheitssystem dar. Ein Lösungsansatz ist die patientenindividuelle Vorbereitung der jeweiligen Medikamente.

Je flexibler, desto besser für die richtige Einnahme. Mit der patientenindividuellen Verblisterung in Form der seriellen Schlauchblister erhält der Patient seine Medikamente für den jeweiligen Zeitpunkt im Tagesablauf zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus ermöglicht das System die einfache Kontrolle der Einnahme.

Seit 2004 gibt es in Österreich Medikamenten-verblisternde Betriebe, derzeit bieten etwa zehn Apotheken sowie einige Herstellungsbetriebe diese Dienstleistung in ganz Österreich an. Mit der seit 1. Jänner 2011 in Kraft getretenen Neuverblisterungsbetriebsordnung sind die Voraussetzungen für höchste Qualitätsstandards in diesem Bereich auch in Österreich gesetzlich geregelt. Eine der Apotheken, die die patientenindividuelle Neuverblisterung von Medikamenten seit nun drei Jahren durchführt, ist die Wallhof-Apotheke in Rannersdorf, Filialapotheke der Landschaftapotheke in Schwechat bei Wien.

„Seit wir diese Medikamentenverblisterung in Form des Schlauchblisters anbieten, ist die Patientencompliance im Pflegeheim gestiegen“, sagt Dr. Christian Müller-Uri, Eigentümer der Wallhof-Apotheke und Präsident des Österreichischen Apothekerverbandes. Es gibt deutliche Hinweise darauf, dass die Einnahme der Arzneimittel zu jenem Zeitpunkt, der vom Arzt vorgeschlagen wurde, wesentlich exakter erfolgt als davor. Nachweisen ließ sich dies anhand der Marcoumar-Therapie zur Blutverdünnung, die in ziemlich engen zeitlichen und komplexen Dosis-Vorgaben eingenommen werden muss. Die deshalb sehr engmaschigen Kontrollen ergaben bei Heimbewohnern, die in einer stabilen Ernährungssituation leben, deutlich verbesserte kontinuierliche Wirkstoffspiegel. Ein Zeichen, dass die Therapietreue gut ist. Auch die doch beträchtliche Verwechslungsgefahr bei manueller Aufbereitung lässt sich deutlich reduzieren.

Der Neuverblisterungsverordnung des Gesundheitsministeriums entsprechend, verfügt die Wallhof-Apotheke über einen gesonderten Arbeitsraum, das „Blisterzentrum“ unter Leitung von Mag. Christina Müller-Uri, in welchem die Zubereitung erfolgt, sowie Computer und Blistermaschine untergebracht sind. Dort werden zunächst die benötigten Medikamente aus ihren Originalverpackungen in normierte Behälter umgefüllt und entsprechend qualitätsgesichert und validiert beschriftet, sodass es zu keinen Verwechslungen kommen kann. Diese Behälter werden in einer speziellen Halterung, sogenannten Kanistern, die mit Strichcode genau gekennzeichnet werden, in die Neuverblisterungsmaschine eingehängt.

Über Computer erhält die Maschine sämtliche Angaben, die für die vom Arzt verschriebene Anforderung benötigt werden: Neben den persönlichen Patientendaten sind das der Zeitpunkt und Tag für die Einnahme des jeweiligen Medikaments in seiner Dosierung. Hier kommt auch, so Müller-Uri, die pharmazeutische Kompetenz des Apothekers zum Einsatz, der die Kombinationen, Darreichungsformen und eventuellen Rückmeldungen des Patienten oder des Pflegedienstes im Sinne eines optimalen Medikamentenmanagements evaluiert. In Absprache mit dem verordnenden Arzt können entsprechende Anpassungen vorgenommen werden. Dann wird die elektronische Anforderung an die Maschine übergeben, die diese in Schlauchblister umsetzt. Im dritten Arbeitsschritt erfolgt die Kontrolle des Ergebnisses durch die Pharmazeutin, wobei hier ein Vier-Augenprinzip und die elektronische Bestätigung für größtmögliche Sicherheit sorgen. Die fertigen Rationen werden an das Pflegeheim abgegeben.

Hohe Flexibilität und besserer Überblick über die Einnahme

Die Entscheidung für Schlauchblister, die aus fix aneinandergehängten, durchsichtigen Kunststoffbeuteln bestehen, in die die Medikamente eingefüllt und die anschließend verschweißt werden, fiel in der Wallhofapotheke aus der Überlegung der höheren Flexibilität und Sicherheit für den Patienten. Als andere Möglichkeit bieten Hersteller Array-Behälter mit fünf mal sieben Systemen für eine Wochenration an. Diese parallele Aufbereitung sei jedoch, so Christian Müller-Uri, mit einer höheren Fehleranfälligkeit verbunden und auch weniger flexibel. Der Umfang eines Schlauchblisters ist mit einer Woche gesetzlich normiert, in Ausnahmefällen bis zu 14 Tagen erweiterbar.. Änderungen müssen jeweils vom Arzt neu verschrieben werden, wobei auf den Informationsaustausch mit dem Arzt großer Wert gelegt wird.

Eine gewisse Skepsis herrschte von Ärzteseite, weil die Erfüllung etwaiger Änderungswünsche als möglicherweise nicht flexibel genug befürchtet wurde. „Das bedarf einfach der Erklärung und der Bewährung in der Praxis“, so der Apotheker. Der Vorteil lasse sich klar belegen. Überzeugungsarbeit wurde auch bei den Patienten und bei den Pflegepersonen -erfolgreich - geleistet. Die Pflege gewinnt durch diese Dienstleistung wertvolle Arbeitszeit für die Patientenbetreuung. Patienten und deren Angehörige behalten einen besseren Überblick über die Medikamenteneinnahme.

Pflegeheime stellen mit 95 Prozent den größten Anteil der Abnehmer der patientenindividuellen Medikamentenverblisterung, für die auch ein entsprechendes kostendeckendes Entgelt berechnet wird. Der Vorteil für das Gesundheitssystem würde eine weitere Verbreitung auch in der Pflege daheim rechtfertigen. „Aus meiner Sicht wäre dieses System für alle Patienten mit Dauermedikation sinnvoll“, meint Müller-Uri.

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