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Allgemeinmedizin 1. Februar 2013

Koffein und Alkohol ...

... eine gefährliche Kombination.

US-Ärzte schlagen Alarm: Sie fordern bessere Aufklärung der jungen Käufer und eine strengere Kennzeichnungspflicht.

Der berühmte Energy-Drink, der angeblich „Flüüügel“ verleiht, hat es in sich: 80 mg Koffein enthält eine 250-ml-Dose eines bekannten Drinks, so viel wie eine Tasse Filterkaffee. Das klingt zunächst harmlos, doch „bei einer Dose bleibt es ja nicht, wenn die Nacht lang wird“, so der Kardiologe Prof. Dr. Raimund Erbel vom Uni-Klinikum Essen. Wenn mehrere solcher Koffeinbomben hintereinander gekippt werden, drohen Herzrhythmus- und, Schlafstörungen, Übelkeit und Übermüdung, bei empfindlichen Personen auch Schwindel und Herzrasen. In den USA ermittelt die Lebensmittelbehörde FDA (Food and Drug Administration) wegen fünf Todesfällen im Zusammenhang mit einem Produkt namens „Monster“. Eine Dose dieser Marke enthält 240 mg Koffein.

Im Fachblatt JAMA warnen Experten vor der Kombination von Energy-Drinks mit „Hochprozentigem“ (JAMA, online 19.12.2012). Das Koffein wirke den sedierenden Effekten des Alkohols entgegen, sodass Symptome einer Intoxikation erst spät bemerkt würden. Koffein antagonisiere zwar den hemmenden Effekt des Alkohols auf die Reaktionszeit, schreibt JAMA-Autor Dr. Jonathan Howland, Notfallmediziner, Uni-Klinikum, Boston, aber nicht den Effekt auf die Kontrollfunktion (JAMA, online 19.12. 2012). Damit werde das Risikoverhalten möglicherweise verstärkt. Für Kent A. Sepkowitz vom Weill-Cornell Medical College in New York hapert es vor allem auch an der mangelhaften Kennzeichnung. Die meisten Hersteller von Energy-Drinks führen den Koffeingehalt ihrer Produkte nicht auf. Tatsächlich komme es immer wieder zu regelrechten Koffeinvergiftungen, so Sepkowitz, manchmal auch mit tödlichen Folgen.

Bedenkliche Werte

Als lebensgefährlich gelten Blutwerte ab etwa 80 µg Koffein/ml. Dafür müsste man mit Filterkaffee schon Orgien gefeiert haben: der Blutspiegel einer Tasse „Brauner“ resultiert mit 1–2 µg/ml. Um lebensbedrohliche Arrhythmien hervorzurufen, bedarf es einer Zufuhr von etwa 3 g Koffein innerhalb kurzer Zeit; die höchsten Blutwerte werden nach 15–45 Minuten erreicht. Mit sogenannten Energy-Shots ist der „point of no return“ schon eher zu erreichen: So enthält ein Getränk der Marke „Rip It“ 200 mg Koffein, ein „SPIKE Shooter“ satte 300 mg. Beide Marken werden hauptsächlich in den USA vertrieben.

Auch die US-Gesundheitsbehörde CDC (Centers for Disease Control and Prevention) hat besonders vor den Gefahren von koffeinhaltigen Alkopops gewarnt. Man könne aber kaum verhindern, dass sich Jugendliche solche Mixgetränke selbst zusammenbrauen, so Sepkowitz. Hier könne nur eine breite Aufklärung der Bevölkerung helfen. Als Obergrenze wird eine Dosis von 500 mg Koffein täglich empfohlen, für Jugendliche gelten maximal 100 mg.

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