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Bei ihr ist das Demenzrisiko wohl eher gering.
 
Allgemeinmedizin 1. Februar 2013

Probleme beim Gehen?

Dann ist das Demenzrisiko hoch.

Solange man im Alter von über 90 Jahren noch körperlich fit ist, muss man sich kaum vor einer Demenz fürchten. Das kann sich aber ändern, wenn einem plötzlich das Gehen schwerfällt.

Gibt es im hohen Alter einen Zusammenhang zwischen körperlichem und geistigem Abbau? Dieser Frage ging ein Team um Dr. Szofia Bullain von der Universität in Irvin in Kalifornien nach – und zwar bei Menschen im Alter von über 90 Jahren. Insgesamt 629 Probanden mit einem Durchschnittsalter von 94 Jahren nahmen daran teil. Fast drei Viertel waren Frauen, ein Viertel hatte bereits eine Demenz.

Die Teilnehmer absolvierten mehrere Übungen, etwa eine Wegstrecke von vier Metern zu laufen, fünfmal hintereinander ohne Einsatz ihrer Hände von einem Stuhl aufzustehen oder auszuprobieren, wie lange sie sicher stehen konnten, wenn sie einen Fuß genau vor den anderen setzten. Mit einem speziellen Gerät wurde zudem die Kraft beim Zugreifen gemessen.

Wie sich zeigte, stieg die Demenzrate linear mit der Gebrechlichkeit an, und zwar auch dann, wenn bekannte Risikofaktoren für beide Konditionen wie Schlaganfall und TIA berücksichtigt wurden. Am deutlichsten war dies bei der Vier-Meter-Gehstrecke zu erkennen: Bei Teilnehmern, die diese Strecke überhaupt nicht mehr schafften, war die Demenzrate etwa um den Faktor 30 größer als bei denen im schnellsten Quartil. Etwas weniger deutlich waren die Unterschiede beim Aufstehtest: Wer den nicht mehr schaffte, befand sich mit 15-fach höherer Wahrscheinlichkeit unter den Demenzkranken als jemand im Quartil mit der besten Leistung. Und um den Faktor zehn bewegten sich jeweils die Unterschiede beim Gleichgewichts- und Krafttest.

Körperlicher Verfall als Vorbote einer Demenz?

Aus den Daten lässt sich laut Autoren schließen, dass schon geringfügige körperliche Einschränkungen bei Hochbetagten mit einem drastisch erhöhten Demenzrisiko einhergehen – eine ähnliche Korrelation wurde auch schon bei älteren Menschen unter 90 Jahren beobachtet, wenngleich nicht in diesem Ausmaß.

Was ist nun allerdings Ursache und was Wirkung? In einigen anderen Studien ging eine Verlangsamung des Gangs der Demenz voraus – in einer prospektiven Studie um knapp vier Jahre. Da beim Gehen Motorik, Sensorik und Kleinhirn eng zusammenarbeiten, könnten sich durch eine Neurodegeneration bedingte Störungen hier viel früher bemerkbar machen als bei der Kognition, vermuten Bullain und Mitarbeiter. Denkbar wäre aber auch, dass der physische Abbau zu körperlicher Inaktivität führt, was wiederum den kognitiven Abbau beschleunigt. So wird die Produktion neuroprotektiver Faktoren bei körperlicher Inaktivität gedrosselt. Demnach würde es sich lohnen, alles zu tun, um auch im hohen Alter noch bestmöglich körperlich fit zu bleiben und somit die Neurodegeneration zu bremsen.

springermedizin.de, Ärzte Woche 5/2013

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