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Ein Erkältungshusten ist in der Regel nicht nach sieben Tagen vorbei.
 
Allgemeinmedizin 2. Februar 2013

Ein Erkältungshusten darf drei Wochen dauern

Viele Patienten unterschätzen die normale Dauer eines Erkältungshustens. Die falschen Erwartungen fördern vermutlich unnötige Antibiotikaverordnungen.

Bis ein Erkältungshusten sich vollständig legt, vergehen bei ansonsten gesunden Erwachsenen üblicherweise zwei bis drei Wochen. Die meisten Patienten glauben jedoch, dass der Husten schon nach fünf bis sieben Tagen verschwunden sein müsste.

Auf diese Diskrepanz machen Ärzte der University of Georgia aufmerksam (Ebell MH et al.: Ann Fam Med 2013). Sie haben die durchschnittliche Dauer eines akuten Hustens bei einer unspezifischen Atemwegsinfektion in einer Metaanalyse ermittelt und mit der Erwartungshaltung von Patienten verglichen.

Für die Metaanalyse konnten 19 Studien mit 23 bis 1.230 Patienten herangezogen werden. Verwendet wurden nur Daten von Patienten, deren akuter Husten nicht behandelt worden war und die keine chronische Erkrankung hatten. Unter diesen Umständen bestand der Husten zwischen 15,3 und 28,6 Tagen, die mittlere Dauer betrug 17,8 Tage. Etwas schneller erholte sich die Untergruppe der Patienten mit produktivem Husten, hier lag die mittlere Dauer bei 13,9 Tagen. Generell litten acht Tage nach Erkrankungsbeginn noch 86,4 bis 95,0 Prozent der Patienten an Hustenanfällen.

Die Erwartung der Patienten wurde in einer Stichprobe von 497 Einwohnern von Georgia erfragt. Je nachdem, ob der Husten produktiv oder unproduktiv und mit Fieber verbunden war oder nicht, hielten sie eine mittlere Dauer von 6,9 bis 9,3 Tage für normal, ohne signifikante Unterschiede zwischen den verschiedenen Szenarien. Im Median betrug die geschätzte Dauer einer Hustenepisode fünf bis sieben Tage.

In der Umfrage sollten die Patienten auch angeben, wie sie die Wirksamkeit von Antibiotika bei Erkältungshusten einschätzen. Dabei zeigte sich, dass Personen mit geringerer Bildung und früheren Antibiotikaverordnungen eher davon überzeugt waren, dass Antibiotika in dieser Indikation „immer oder normalerweise helfen“.

Normales Abklingen

Die Autoren vermuten, dass die Fehleinschätzungen der Patienten zu unnötigen Antibiotikaverordnungen führen können: „Wenn ein Patient davon ausgeht, dass ein akuter Husten sechs bis sieben Tage besteht, wird er nach fünf bis sechs Tagen einen Arzt aufsuchen und nach Antibiotika fragen. Falls er dann ab Tag sieben ein Antibiotikum einnimmt, kann es sein, dass er sich drei bis vier Tage später besser fühlt und nach zehn Tagen gesund ist. Obwohl dies dem natürlichen Verlauf entspricht, wird es den Patienten wahrscheinlich in seiner Meinung bestärken, das Antibiotikum habe gewirkt.“

Um solche Abläufe zu verhindern, sollte man die Patienten nicht nur darüber aufklären, dass einem Erkältungshusten in den meisten Fällen ein viraler Infekt zugrunde liegt. Genauso wichtig sei, hustenden Patienten den regulären Verlauf eines akuten Hustens klar zu machen: „Die Patienten müssen wissen, dass es normal ist, wenn sie zwei oder drei Wochen nach Erkrankungsbeginn noch husten“ , so Dr. Marc Ebell, University of Georgia. Ein Arztbesuch sei nur dann notwendig, wenn eine Verschlechterung eintritt oder wenn Alarmsymptome wie hohes Fieber, blutiges Sputum oder Kurzatmigkeit hinzukommen.

springermedizin.de , Ärzte Woche 5/2013

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