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Hustenattacke – Patienten, die mit akutem Husten in die Praxis kommen, profitieren oft von einer zeitnahen Spirometrie.
 
Allgemeinmedizin 24. Jänner 2013

Bei Husten an eine COPD denken

Insbesondere bei der COPD geht man heute von einer massiven Unterdiagnose aus – bis zu 50 Prozent der Patienten sollen nicht erkannt sein.

Jeder fünfte Patient, der sich wegen akuten Hustens beim Hausarzt vorstellt, hat Auffälligkeiten in der Spirometrie. Sie können auf ein bisher nicht entdecktes Asthma oder eine nicht erkannte COPD hindeuten.

Nicht nur bei Patienten mit persistierendem, sondern auch mit akutem Husten sollten Hausärzte an eine chronische Lungenerkrankung denken. Das verdeutlicht eine Studie, an der Primärärzte aus zwölf europäischen Ländern beteiligt waren.

Die Ärzte hatten 1.947 konsekutive erwachsene Patienten mit einem kürzer als 28 Tage dauernden Husten und ohne COPD- und Asthmadiagnose für die Studie gewinnen können (Ann Fam Med 2012;10: 523-529). Diese Patienten waren im Mittel 50 Jahre alt, 40 Prozent von ihnen waren Männer, und alle hatten vor dem Hausarztbesuch bereits neun Tage gehustet.

Vier Wochen nach der Erstvorstellung, wenn der Husten wieder verschwunden war, wurde bei allen Patienten die Lungenfunktion geprüft. Bei der von geschultem Praxispersonal durchgeführten Spirometrie wurden die forcierte Vitalkapazität (FVC) und die 1-Sekunden-Kapazität (FEV1) bestimmt, und zwar vor sowie frühestens 15 Minuten nach Inhalation des Beta-2-Mimetikums Salbutamol.

Hinweise auf Asthma oder COPD

Ergebnis: Bei 240 Probanden (12 Prozent) fanden sich Hinweise auf unerkanntes Asthma. Sie hatten einen positiven Bronchospasmolyse-Test mit einer FEV1-Zunahme um mindestens 12 Prozent und um mehr als 200 ml.

Außerdem berichteten sie auf Nachfrage, im vergangenen Jahr mindestens eine weitere Episode von Giemen, Husten oder Engegefühl im Thorax gehabt zu haben. Patienten unter 50 Jahren waren häufiger betroffen als ältere (15 vs. 11 Prozent).

Zeichen einer persistierenden Atemwegsobstruktion wurden, je nach Bewertungsmaßstab, bei bis zu 10 Prozent der Patienten entdeckt. Laut GOLD-Definition besteht eine COPD, wenn das Verhältnis von FEV1 zu FVC nach Bronchodilatation unter 0,7 bleibt, was bei 193 Patienten (10 Prozent) der Fall war.

Durch die GOLD-Kriterien wird jedoch bei sehr alten Patienten die Prävalenz der COPD überschätzt. Legte man die geschlechts- und altersspezifische Untergrenze für das Verhältnis von FEV1 zu FVC zugrunde, hatten „nur“ 126 Patienten (6 Prozent) verengte Atemwege.

92 bzw. 67 dieser Patienten hatten im zurückliegenden Jahr mindestens drei Hustenepisoden gehabt. Insgesamt 55 Prozent der Patienten mit einer FEV1: FVC , 0,7 hatten eine FEV1 unter 80 Prozent des erwarteten Wertes, bei 8 Prozent der Patienten lag sie unter 50 Prozent.

Viele COPD-Kranke nicht erkannt

Das mag mit einer teilweise unvollständigen Dokumentation des Raucherstatus zusammenhängen, aber auch damit, dass rauchende COPD-Patienten entweder früher erkannt oder seltener in der Praxis gesehen werden.

Damit lieferte die Spirometrie bei jedem fünften Patienten mit akutem Husten Hinweise auf eine bisher nicht bekannte chronische Atemwegserkrankung.

„Diese Patienten früher zu identifizieren und ihnen geeignete Therapien insbesondere zur Raucherentwöhnung anzubieten, würde wahrscheinlich ihre Lebensqualität verbessern und Exazerbationen verhindern“, schreiben die Studienautoren um Dr. Saskia van Vugt aus Utrecht. Insbesondere bei der COPD geht man heute von einer massiven Unterdiagnose aus: Bis zu 50 Prozent der Patienten sollen nicht erkannt sein.

200 Millionen

Weltweit leiden mehr als 200 Millionen Menschen an COPD. Über drei Millionen Todesfälle werden jedes Jahr der chronischen Lungenkrankheit zugeschrieben. COPD gilt damit als vierthäufigste Todesursache – nach koronarer Herzkrankheit, Schlaganfall und Atemwegsinfekten.

www.springermedizin.de, Ärzte Woche 4/2013

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