zur Navigation zum Inhalt
© Ursula Deja-Schnieder/panthermedia.net
Der Verbrauch an Flüssigkeit im Fläschchen zeigt, wie therapietreu Patienten wirklich sind.
 
Allgemeinmedizin 12. Jänner 2013

Allergiker sind Therapiemuffel

Im Alltag ist die Therapietreue wesentlich geringer als in Studien.

Ob Antihistaminika, Kortikoid-Nasenspray oder Immuntherapie: In klinischen Studien halten sich Patienten mit allergischer Rhinitis brav an ihre Anordnungen. Im richtigen Leben sieht’s finsterer aus, wie italienische Allergologen berichten.

In einem Reviewartikel haben sich Giovanni Passalacqua von der Universität Genua und Kollegen eine Übersicht über die Zahlen verschafft, aus denen hervorgeht, wie streng sich Patienten mit allergischem Schnupfen an die ärztlichen Verordnungen halten.

Allzu viele Studien, die sich mit dem medizinischen Alltag statt mit einer Studiensituation befassen, gibt es nämlich nicht. Generell geht man davon aus, dass sich 20 bis 40 Prozent der akut Erkrankten, 30 bis 60 Prozent der chronisch Kranken und 50 bis 80 Prozent der präventiv Behandelten nicht an den medizinischen Therapieplan halten.

Antihistaminika

Erforderlich wäre es, die Tabletten langfristig einzunehmen. Die Einnahme „bei Bedarf“ bringt nämlich vielen Patienten recht wenig. Klinische Studien berichten von Adhärenzraten von 83 Prozent über zwölf Monate hinweg. Es gibt aber auch eine Untersuchung, die sich mit der Alltagspraxis befasst – und hier lag die Therapietreue nur bei 49 Prozent.

Intranasale Kortikoide

Die einschlägigen Präparate wären eigentlich hocheffektiv. Wären – denn viele Anwender sind geschmacklich und geruchlich nicht mit ihnen einverstanden. Dennoch geben 87 Prozent von ihnen an, die Sprays regelmäßig zu verwenden. Anders sieht es aus, wenn der tatsächliche Gebrauch – gemessen am sinkenden Flüssigkeitspegel im Fläschchen – errechnet wird. Die Therapietreue liegt dann nur noch bei 65 Prozent.

Subkutane spezifische Immuntherapie (SCIT)

Am meisten gefährdet wird die Treue zur SCIT durch deren lange Dauer von drei bis fünf Jahren. Dennoch soll die Adhärenz laut klinischen Daten bis zu 89 Prozent betragen. Der Alltag sieht trister aus, wie die Autoren berichten. 39 Prozent der Patienten erhalten die SCIT kürzer als sechs Monate, 14 Prozent ein halbes bis ein Jahr lang, weitere 18 Prozent bis zu zwei Jahre, 13 Prozent bis zu drei Jahre und 16 Prozent drei Jahre oder länger.

Sublinguale spezifische Immuntherapie (SLIT)

Diese Art der Therapie ist vergleichsweise komfortabel. Mehr als 95 Prozent beträgt hier die Therapietreue der Patienten, glaubt man den Daten klinischer Studien. Die Italiener halten andere Zahlen dagegen. Demnach gibt rund die Hälfte der Patienten bereits während des ersten Jahres auf. Nach zwei Jahren sind nur noch 13 Prozent bei der Stange. Unerwünschte Wirkungen spielen dabei offenbar eine geringere Rolle als die Unzufriedenheit mit dem erwünschten Effekt.

Quelle: Passalacqua et al.: Clin Exp Allergy 2012

springermedizin.de, Ärzte Woche 1/2/2013

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben