zur Navigation zum Inhalt
© Valeev/fotolia.com
 
Allgemeinmedizin 4. Dezember 2012

Bremse für den Reflux

Neuer Baustein am Beginn der therapeutischen Stufenleiter

Jeder fünfte Erwachsene leidet an Sodbrennen. Zwar stehen verschiedene wirksame Medikamente zur Verfügung, manche sind jedoch mit nicht unbeträchtlichen Nebenwirkungen verbunden.

Die gastrointestinale Refluxerkrankung, kurz GERD, zählt beinahe schon zur Volkskrankheit, obwohl sie eher Symptom ist. Säureblocker werden häufig routinemäßig in den verschiedensten Lebenslagen verschrieben und eingenommen - mit dem Risiko von Nebenwirkungen. Für leichtere Erscheinungsformen der GERD bietet ein neuer Wirkmechanismus nun eine nebenwirkungsfreie Alternative. Dabei verhindert eine Schutzschicht den Rückfluss des Mageninhalts.

„Etwa 20 Prozent der erwachsenen Bevölkerung leiden einmal pro Monat unter Sodbrennen, etwa zehn Prozent einmal in zwei Wochen“, stellt Univ.-Prof. Dr. Rainer Schöfl von der Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie, Stoffwechsel- und Ernährungsmedizin und Endokrinologie im Krankenhaus der Elisabethinen in Linz, fest. Wenn die Symptome zu einem Leidensdruck führen, sprechen Ärzte von einer Refluxerkrankung. Der Großteil der Betroffenen leidet an gelegentlichen und eher leichten, wenngleich unangenehmen Beschwerden und kommt in die Allgemeinpraxis - und in die Apotheke. „Im Stufenplan der Behandlung stehen die Apotheker am unteren Ende“, stellt Mag. Kurt Vymazal, Apotheker in Wien fest: “Solange Sodbrennen nur gelegentlich anlassbezogen aufgrund bekannter Ursachen auftritt, können rezeptfreie Medikamente guten Gewissens vom Apotheker empfohlen werden.“ Dazu stehen verschiedene Substanzklassen zur Verfügung. Nach wie vor häufig verwendet werden klassische Säurebinder (Antacida) mit Aluminiumhydroxid, Bikarbonat oder Natriumhydrogenkarbonat, die die Magensäure neutralisieren. Antacida wirken innerhalb weniger Minuten, sollten jedoch mit zwei Stunden Zeitabstand zu anderen Medikamenten eingenommen werden, so Vymazal, und können darüber hinaus den Magen dazu anregen, vermehrt Säure zu bilden.

PPIs – effektiv aber nicht unbedenklich

Die am häufigsten bei Sodbrennen und Refluxkrankheit, aber auch als begleitender Magenschutz bei Dauermedikation mit NSAR eingesetzten Protonenpumpenhemmer wirken zwar äußerst effektiv. Sie sollten jedoch schweren Fällen vorbehalten bleiben, da sie unter anderem einen massiven Eingriff in die natürlichen Abläufe des Verdauungstraktes bewirken können.

Die Ursachen für Sodbrennen und Refluxkrankheit sind meist Lebensstil bedingt: Zu üppiges und zu hastig eingenommenes Essen, zu viel Alkohol, Rauchen und Dauerstress führen zur Überproduktion der Magensäure, die in die Speiseröhre aufstößt. Erleichterung ließe sich durch eine dauerhafte Änderung des Lebensstils erreichen - was der Mehrheit der Betroffenen schwerfällt.

Mit dem pflanzlichen Natriumalginat (Gaviscon®) steht seit vergangenem Sommer ein lokal wirksames Medikament zur Verfügung, das vom Körper nicht aufgenommen und unverstoffwechselt wieder ausgeschieden wird. Systemische Wirkungen und Wechselwirkungen werden dadurch ausgeschlossen. „Wir sind froh, wenn es Medikamente gibt, die nicht in die Säureproduktion eingreifen und lokal wirken“, stellte Schöfl fest.

Quelle: Pressekonferenz, GERD: Die brennende Gefahr, 27. 9. 2012, Wien

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben