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Bares auf die Hand für jedes abgenommene Kilo – das motiviert.
 
Allgemeinmedizin 12. November 2012

Euro als Fatburner

Hochgradig motiviert zeigen sich Übergewichtige, wenn sie finanzielle Erfolgsprämien für die Gewichtsreduktion erhalten.

Stark Übergewichtige können laut einer aktuellen Studie durch finanzielle Anreize zu einer stärkeren Gewichtsreduktion motiviert werden. Während Frauen je nach Höhe der Geldprämie mehr oder weniger abnehmen, spielt für Männer die Höhe des finanziellen Anreizes offenbar eine untergeordnete Rolle.

Geldprämien können adipöse Menschen zum zusätzlichen Abnehmen anregen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI). Demnach verloren Studienteilnehmer, die eine Geldprämie von 150 bzw. 300 Euro erhielten, wenn sie ein von behandelnden Ärzten empfohlenes Reduktionsziel von sechs bis acht Prozent ihres Körpergewichts erreichten, doppelt so viel Gewicht wie die Mitglieder einer Gruppe ohne finanziellen Anreiz (Kontrollgruppe).

Während die Kontrollgruppe innerhalb des Untersuchungszeitraums von vier Monaten durchschnittlich nur 2,3 Prozent Gewicht abnahm, verloren Mitglieder der Prämiengruppen mehr als fünf Prozent ihres Ausgangsgewichts. Dieser Wert gilt in der Medizin bei Adipositas häufig als Schwelle, ab dem sich der Gesundheitszustand des Abnehmenden merklich verbessert.

Gender-Unterschied

Die Studie zeigt auch, dass der finanzielle Anreiz offenbar auf Männer und Frauen unterschiedlich wirkt. Während eine Verdoppelung der Prämie bei männlichen Studienteilnehmern zu keiner merklich größeren Gewichtsreduktion führte, wurden die weiblichen Probanden durch die höhere Prämie von 300 Euro stärker angespornt und verloren mehr Gewicht als bei der niedrigeren Prämie zu 150 Euro.

Studiendesign

Insgesamt nahmen an der Studie rund 700 adipöse Patientinnen und Patienten im Alter zwischen 18 und 75 Jahren teil, die gerade einen Aufenthalt in einer deutschen Rehabilitationsklinik hinter sich hatten. Sie erhielten vor ihrer Entlassung von ihrem behandelnden Arzt ein Ziel zur Abnahme zwischen sechs und acht Prozent ihres Körpergewichts für die kommenden vier Monate. Außerdem füllten sie einen Fragebogen zu sozio-ökonomischem Hintergrund, Gesundheitszustand und Vorsorgeverhalten aus. Dann wurden sie zufällig einer von drei Gruppen zugeteilt, die keine Prämie, 150 Euro oder 300 Euro für die vorgegebene Gewichtsreduktion erhielten.

Dabei bekamen die Mitglieder der Prämiengruppen kein Geld, wenn sie weniger als die Hälfte ihres Reduktionziels erreichten. Nahmen sie mehr als 50 Prozent des Reduktionsziels ab, erhielten sie die Prämie jeweils anteilig zu ihrer Gewichtsabnahme bis zum Erreichen des vorgegebenen Werts. Eine darüber hinausgehende Gewichtsreduktion wurde nicht zusätzlich honoriert.

Am Ende des viermonatigen Untersuchungszeitraums ließen die Studienteilnehmer Körpergewicht, Blutzucker- und Cholesterinwert bestimmen und füllten zum zweiten Mal einen Fragebogen aus.

Abnehmprämie führt auch zu gesünderer Lebensweise

Insgesamt zeigt die Studie, dass finanzielle Anreize offenbar geeignet sind, um stark übergewichtige Menschen bei der Gewichtsreduktion zu unterstützen. Darüber hinaus offenbarte die Auswertung der Fragebögen weitere Effekte der Prämien: Sie führten dazu, dass die Mitglieder der Prämiengruppen häufiger die Treppen statt den Aufzug benutzten und zwischen den Mahlzeiten seltener Snacks aßen. Die Frauen der höheren Prämiengruppe intensivierten zudem ihr Fitnesstraining.

Langzeitdaten fehlen noch

Gesundheitseffekte wie beispielsweise verbesserte Cholesterinwerte konnten nicht festgestellt werden. Anzeichen für eine Verbesserung des allgemeinen Gesundheitsempfindens gab es indes schon.

Noch weitgehend unerforscht ist hingegen der langfristige Effekt finanzieller Abnehmanreize. Es lässt sich derzeit nicht wissenschaftlich fundiert sagen, ob die durch finanzielle Anreize induzierte Gewichtsreduktion nachhaltig ist und ob Anreize zum Halten des Gewichts imstande sind, den gefürchteten „Jojo-Effekt“ zu verhindern. Diesen Forschungsfragen will man sich in den kommenden Monaten widmen.

Bonusprogramm spart Kassen Geld

In einer weiteren aktuellen Studie hat das RWI untersucht, ob sich das Präventions-Bonus-Programm für Mitglieder einer öffentlichen Krankenkasse aus Sicht des Krankenversicherers wirtschaftlich gelohnt hat. Mitglieder, die am Programm teilnahmen und pro Jahr drei obligatorische Maßnahmen (wie Check-ups und Screenings) sowie weitere wählbare Maßnahmen (wie Teilnahme an Sportkursen) absolvierten, wurden von der gesetzlichen Krankenversicherung dafür mit einem um 40 Euro reduzierten Jahresbeitrag belohnt.

Im Ergebnis zeigte sich, dass sich die Gesundheitsausgaben der Krankenkasse für die teilnehmenden Versicherten insbesondere im ersten Jahr der Bonusprogrammteilnahme signifikant reduzierten. Zwar liefert die Studie auch Hinweise auf Einsparungen durch eine langfristige Teilnahme von Mitgliedern am Bonusprogramm, statistisch nachweisen ließen sich diese im Rahmen der Studie jedoch nicht.

Quellen: Ruhr Economic Papers 2012, #368,#373

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