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Allgemeinmedizin 12. November 2012

Den Menschen hinter dem Patienten entdecken

Kongress "Mozart & Science 2012" in Krems.

Nach drei intensiven Kongresstagen (8. bis 10. November 2012) ging der vierte international hochkarätig besetzte Kongress der interdisziplinären Musikwirkungsforschung erfolgreich zu Ende.

 

Rund 200 TeilnehmerInnen waren an die IMC FH Krems gekommen, um neueste Erkenntnisse und Wege im Bereich der Musiktherapie und Medizin zu diskutieren und zu eröffnen. Motto des diesjährigen, besonders praxisorientierten Kongresses war "Begegnungen der Kulturen". Im Mittelpunkt standen neben den kulturellen Aspekten in der Musikrezeption und deren Einflüssen auf den musiktherapeutischen Prozess vor allem praxisrelevante Fragen - unter anderem welche Rolle die musikalische Biografie der PatientInnen im Heilungsprozess spielt, welche Softskills im Umgang mit PatientInnen helfen und welche gesundheitspolitischen Fragen der Einsatz von MusiktherapeutInnen im Klinikalltag aufwirft.

Nicht nur evidenzbasierte Studienergebnisse sollten als Benchmark herangezogen werden, erklärte Doz. Mag. Dr. Gerhard Tucek, Kongress-Organisator und IMC FH Krems Studiengangsleiter Musiktherapie, in seinen Abschlussworten: "Mindestens gleich bedeutsam für die Evaluierung des Therapieerfolges ist es, die/den Patientin/en partizipativ miteinzubeziehen. Die Wissenschaften müssen menschlicher werden. In der Medizin und in der Therapie bedeutet dies, dass wir PatientInnen, aber auch Praktiker ernster nehmen und zu Wort kommen lassen. Der Fortschritt in der Musiktherapie ist ein starker Schritt hin zum Menschen."

Den Schwerpunkt auf interdisziplinärer Zusammenarbeit zwischen Forschung und Praxis spiegelte auch das diesjährige Programm des Kongresses wider. Niederösterreich nimmt dabei seit den Neunzigerjahren eine Pionierrolle ein. Mittlerweile werden MusiktherapeutInnen in verschiedenen Einrichtungen wie in der Kinder- und Jugendpsychiatrie und an acht niederösterreichischen Landeskliniken unter anderem in der Geriatrie, Onkologie und Pädiatrie eingesetzt.

"Für uns im Land Niederösterreich geht es darum, standort- und patientengerechte Medizin anzubieten, die den Menschen im Fokus hält. Hier kann die Musiktherapie sowohl in der Gesundheitsvorsorge als auch im klinischen Bereich neue Ansätze und auch neue Lösungen finden", ist Kongress-Initiator und Landeshauptmann-Stellvertreter Mag. Wolfgang Sobotka überzeugt.

Personalisierte Medizin


Die Erweiterung der personalisierten Medizin auf therapeutische Prozesse war einer der zentralen Diskussionspunkte beim Kongress. Bisher achtete man laut Tucek vor allem auf die individuelle Genetik einer Patientin bzw. eines Patienten. Es ginge aber vielmehr darum, auch auf die Biografie der/des Patientin/en verstärkt einzugehen, was wiederum impliziert, dass ein bestimmtes Musikstück nicht für alle PatientInnen gleichermaßen erfolgreich im Heilungsprozess eingesetzt werden kann.

Weil es nun um den Menschen und seine individuelle Beschaffenheit geht, sind nicht nur SpezialistInnen, sondern vielmehr auch eine verstärkt interdisziplinäre Zusammenarbeit gefragt, darin waren sich die ExpertInnen bei der abschließenden Podiumsdiskussion einig. In der Musiktherapie sehen sie auch das Potenzial, eine Synthese bzw. Brücke zwischen Geistes- und Naturwissenschaften zu schaffen.

"Ein entsprechendes Bewusstsein, was Musiktherapie ist und kann, muss in der Medizin und vor allem in der Bevölkerung flächendeckend geschaffen werden. Bewusstseinsbildung und die Stärkung der nationalen und internationalen Zusammenarbeit werden die Ziele des Weltkongresses sein, der 2014 an der IMC FH Krems stattfinden wird", so Sobotka.

Als Referentinnen und Referenten wirkten mit:


Hochkarätige ReferentInnen des diesjährigen Kongresses waren unter anderem Prof. Julian F. Thayer, PhD, Ohio State University, USA, Prof. Dr. Byungchuel Choi, Präsident der World Federation of Music Therapy, Korea, Friederike Haslbeck, MAS, Universität Witten-Herdecke, Univ.-Prof. Dr. mult. Wolfgang Mastnak, Universität für Musik und darstellende Kunst München, Petra Kern, PhD, MT-DMtG, MT-BC, MTA, Music Therapy Consulting, USA, Prof. Dr. sc. hum. Thomas Hillecke, SRH Hochschule Heidelberg, Yun Zhi Chen, Shanghai Conservatory of Music, China, und Dr. Sumathy Sundar, Chennai School of Music Therapy, Indien, sowie Univ.-Prof. Dr. Klaus Felix Laczika, Medizinische Universität Wien.

Der Kongress wurde von der IMC FH Krems in Kooperation mit der Initiative "Tut gut!", der SRH Hochschule Heidelberg und der NÖ Landeskliniken-Holding veranstaltet und vom Land Niederösterreich unterstützt.

2014 wird in Krems auch der Weltkongress der Musiktherapie stattfinden.

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