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Doz. Dr. A. Haushofer, Präsident der ÖGLMKC; Dr. H. Stekel, AKH Linz, Prof. Dr. W. Krugluger, SMZ Ost, Wien; Doz. Ch. Seger, Universitätskliniken Innsbruck; Doz. Dr. W.-M. Halbmayer, Krankenhaus Wien-Hietzing.(v.l.)
 
Allgemeinmedizin 2. November 2012

Innovationen in der Labormedizin

4. Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Laboratoriumsmedizin und Klinische Chemie.

Die 4. Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Laboratoriumsmedizin und Klinische Chemie (ÖGLMKC) wird mit mehr als 300 Experten vom 6. bis 10. November 2012 in Salzburg stattfinden.

 

Einige Highlights des vielseitigen wissenschaftlichen Programmes betreffen innovative Erkenntnisse zu Blutgerinnung, Massenspektrometrie, Gewebsersatztherapie sowie Aspekte der Qualitätssicherung im Labor.

Gefahr von Fehlinterpretationen durch neue Antikoagulanzien

Die sogenannten neuen oralen Antikoagulanzien (NOAC) sind Gerinnungshemmer, die direkt an zwei unterschiedlichen Bereichen der Gerinnungskaskade den Gerinnungsvorgang bremsen oder blockieren können und bei Erkrankungen, die mit einer Gerinnselbildung des Blutes zu tun haben, wie bei Thrombosen und Lungeninfarkt oder zur Schlaganfallvorbeugung bei Herzrhythmusstörungen, medizinisch eingesetzt werden. „Leider verfälschen die neuen/direkten oralen Antikoagulanzien – besonders kurz nach deren Einnahme – bei einer Blutabnahme eine Vielzahl wichtiger Labor-Gerinnungstests und könnten damit krankhafte Veränderungen des Gerinnungssystems vortäuschen“, warnt Doz. Dr. Walter-Michael Halbmayer, Facharzt für Labordiagnostik und für Humangenetik im Krankenhaus Wien-Hietzing. „Daher empfehlen wir dringend, bei jeder Blutabnahme dem Untersuchungslabor mitzuteilen, wenn ein solches Medikament eingenommen wurde.“ Das Labor muss zusätzlich über den Namen des eingenommenen Gerinnungshemmers, dessen letzte Einnahme und die Uhrzeit der Blutabnahme informiert werden.

Individualisierte Medikamentendosierung durch Massenspektrometrie

Die Massenspektrometrie ist eine neue chemische Analysemethode, die im letzten Jahrzehnt weltweit den Sprung von der bioanalytischen Forschung in die klinische Routine geschafft hat. Das neue Verfahren ermöglicht laut Doz. Dr. Christoph Seger, Technischer Leiter des Bereichs Massenspektrometrie und Chromatographie des Zentralinstituts für Medizinische und Chemische Labordiagnostik der Universitätskliniken Innsbruck, beispielsweise eine im Vergleich zu bisher eingesetzten Testverfahren wesentlich exaktere Messung von Medikamentenspiegeln. Dadurch ist die oftmals notwendige individualisierte Dosierung leichter möglich, was in einer optimierten Wirkung und einer Verringerung unerwünschter Nebenwirkungen resultiert. Mittlerweile können die Blutspiegel vieler Substanzen – wie z.B. Immunsuppressiva, Präparate mit zentralnervöser Wirkung oder anti-virale/anti-fungale Medikationen – exakt gemessen werden. Derartige Medikamente besitzen oftmals eine relativ geringe therapeutische Breite – das heißt, die Dosisspanne zwischen Unwirksamkeit und Unverträglichkeit ist schmal.

Hier ist es wichtig, einen Mindestspiegel sicherzustellen, um den bestmöglichen Effekt zu gewährleisten, und andererseits Überdosierungen und damit verbundene potenzielle Nebenwirkungen zu vermeiden.

Einen zusätzlichen Vorteil bietet die Massenspektrometrie bei Therapien, deren Erfolg sich anderweitig schlecht überprüfen lässt, wie beispielsweise bei zentralnervösen Wirkungen (z.B. Anti-Epileptika, Anti-Depressiva etc.). „Hier erlaubt die Spiegelmessung eine wesentlich raschere Einstellung der Wirk-Spiegel, was zu einer deutlich rascheren Verbesserung des Krankheitsbildes führen kann“, so Doz. Seger.

Neue Perspektiven in der Gewebsersatztherapie

Unter Tissue Engineering versteht man die Züchtung von Gewebe aus körpereigenen Zellen, um kranke Gewebe zu ersetzen oder zu regenerieren. „Zentraler Vorteil ist, dass Patienten eigene Gewebszellen entnommen, in Kulturen vermehrt und dann wieder verabreicht werden. Dadurch werden Abstoßungsreaktionen vermieden und immunsuppressive Therapien unnötig“, erklärt Prof. Dr. Walter Krugluger, Leiter des Instituts für Labormedizin im SMW Ost, Wien. Bereits in wenigen Jahren werden einige Verfahren zur Therapie von Patienten zur Verfügung stehen. Besonders vielversprechend sind die Daten zur Behandlung der Makuladegeneration, die bislang unaufhaltsam zur Erblindung führt. An Augenabteilungen ist es bereits gelungen, humane autologe Retinapigmentepithelzellen zu kultivieren, in Biopolymeren anzusiedeln und als kleines Häutchen mikrochirurgisch in die Netzhaut zu applizieren. Damit soll es in den nächsten Jahren möglich werden, die Erblindung zu verhindern bzw. möglicherweise sogar rückgängig zu machen.


Ein weiteres bereits sehr weit fortgeschrittenes Hoffnungsgebiet betrifft das Tissue Engineering von Zellen des Bandscheibenkerns (Nucleus pulposus), die eine gallertige Grundsubstanz bilden. Während ein Bandscheibenvorfall – also die Vorwölbung des Bindegewebsringes – chirurgisch saniert werden kann, ist eine Behandlung von Bandscheibenkerndefekten bisher nicht möglich. Sie sind jedoch die Hauptursache für ungeklärten Kreuzschmerz und Krankenstände.

Im Rahmen eines neurochirurgischen Projektes am Wiener Krankenhaus SMZ-Ost/Donauspital ist es gelungen, Bandscheibenkerne zu punktieren, Zellen zu entnehmen, sie in der Kultur zu vermehren und zu reapplizieren. Es zeigte sich, dass diese Zellen funktionsfähig bleiben und weiterhin gallertartige Grundsubstanz produzieren. „Davon erhoffen wir uns eine sehr gute Therapiemethode für die große Gruppe der Kreuzschmerzpatienten, die derzeit noch ohne ursächliche Behandlung auskommen müssen“, resümmiert Prim. Krugluger.

Qualitätssicherung im Labor


Im Alltag wird immer wieder von „Laborfehlern“ gesprochen. Tatsächlich liegt die Fehlerrate bei unter 1:10.000. „Bei differenzierter Betrachtung zeigt sich, dass weit über 98 Prozent der Fehler im präklinischen Bereich, also bei Abnahme und Transport des Blutes oder sonstigen Probenmaterials entstehen. Nicht immer sind diese Fehler leicht zu erkennen“, berichtet Dr. Herbert Stekel, Leiter des Zentrallabors im AKH Linz. Es ist eine große Aufgabe der Laborfachärzte, diesen Zustand durch Schulungen und Hinweise ständig weiter zu verbessern. Die extrem niedrige Fehlerrate im Labor ist durch eine Kombination aus Ausbildung, Kontrollen und Vorbeugemaßnahmen erreicht worden. All diese Aktivitäten folgen Regelwerken, der überwiegende Teil sind Normen, deren Einhaltung eine freiwillige und selbst auferlegte Leistung darstellt. „Besonderes Augenmerk verdient hierbei die Ausweitung der Point of Care Tests, also jener Untersuchungen, die direkt am Patienten durchgeführt werden“, so Stekel.




Quelle: Pressefrühstück „Innovationen in der Labormedizin“, 30. Oktober 2012, Wien.

Hennrich.PR, springermedizin.at

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