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© Klaus Rose
 
Allgemeinmedizin 31. Oktober 2012

Diagnose: unheilbar krank

Was leisten Palliativmedizin und Hospiz?

Jährlich erkranken in Österreich etwa 38.000 Menschen an Krebs. Seit 1999 hat die absolute Zahl der jährlich neu aufgetretenen Krebserkrankungen in Österreich bei Männern um sieben und bei Frauen um zwei Prozent zugenommen. Krebs ist die zweithäufigste Todesursache in Österreich, im Schnitt sind die Erkrankten 66 Jahre alt. Diese Zahlen unterstreichen die Bedeutung der palliativmedizinischen Betreuung für die Zukunft.

Aufgabe der Palliativmedizin ist es, unheilbar Kranken mit allen Mitteln zu einem qualitätsvollen und selbstbestimmten Weiterleben zu verhelfen. Dr. Michael Preitschopf, Leiter der Palliativstation St. Raphael des Krankenhauses Göttlicher Heiland: „Ziel ist, dass Patienten ihre verbleibende Lebenszeit weitgehend autonom bestimmen und leben können, indem ihre Schmerzen gelindert und andere belastende Beschwerden körperlicher oder psychosozialer Art behoben und spirituellen Bedürfnissen nachgekommen werden.“

Unterschied Palliativstation – stationäres Hospiz

Beide Einrichtungen verfolgen das Ziel, schwer kranken Menschen die verbleibende Lebenszeit so angenehm wie möglich zu gestalten. In einem stationären Hospiz steht dabei die pflegerische Begleitung bis zum Lebensende im Vordergrund, während Palliativstationen darum bemüht sind, die Patienten wieder nach Hause zu entlassen. Organisatorisch sind Palliativstationen in ein Krankenhaus eingegliedert, während stationäre Hospize oft eigenständig oder an ein Pflegeheim angeschlossen sind.

Palliativmedizin kann auch Leben verlängern

2010 ergab eine Studie in den USA, dass frühzeitige und umfassende palliative Versorgung die Lebenserwartung jedes Einzelnen erhöht. Dazu Prof. Dr. Herbert Watzke, Präsident der österreichischen Palliativgesellschaft: „Patienten, die im Rahmen der Studie bereits ab der Krankheitsdiagnose palliativmedizinisch betreut wurden, lebten im Mittel 2,5 Monate länger als die Vergleichsgruppe. Gleichzeitig hatten sie eine deutlich verbesserte Lebens- und Sterbesituation.“ Die Ergebnisse der Studie haben die Stellung der Palliativmedizin verändert. „Early Palliative Care ist das Gebot der Stunde, denn je früher mit dem Patienten über den Krankheitsverlauf gesprochen und Symptome und Komplikationen gemanagt werden, umso positiver ist der Krankheitsverlauf bei den Patienten“, erklärte Watzke.

Großer Bedarf

Wie hoch der Bedarf an palliativer Begleitung tatsächlich ist, zeigte Mag. Leena Pelttari, Geschäftsführerin des Dachverbandes Hospiz Österreich, auf: „Über 100 Millionen Menschen in Europa würden von Palliative Care profitieren, derzeit haben aber nur 8 Prozent Zugang zu adäquater Betreuung bis zum Ende (Zahlen der European Association for Palliative Care). Diese 100 Millionen umfassen nicht nur onkologisch Erkrankte, sondern auch die steigende Anzahl geriatrischer PatientInnen und Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit lebensbegrenzenden Erkrankungen.“ Mit 264 Hospiz- und Palliativeinrichtungen, davon 29 Palliativstationen, befindet sich Österreich im guten europäischen Mittelfeld. Den vorhandenen Bedarf können aber die bestehenden Einrichtungen heute schon nicht decken. Die Nachfrage aber wird weiter steigen.

baldau-pr/FH, Ärzte Woche 43/2012

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