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Allgemeinmedizin 30. Juni 2005

"Männlich, jung und tot..."

Prävention statt Therapie: In einer Zeit, in der die steigende Lebenserwartung der Bevölkerung vor dem Hintergrund der mangelnden Ressourcen des Gesundheitssystems diskutiert wird, gibt es einen Problemfall - den Mann. Um die Männer ist es derzeit nicht sonderlich gut bestellt. Die Lebenserwartung der Männer liegt in allen industrialisierten Ländern unter jener der Frauen. Vor dem 20. Lebensjahr sterben männliche Kinder häufiger an plötzlichem Kindstod, Malignomen, Suiziden, Unfällen und anderen gewaltsamen Todesarten. 

Dies setzt sich dann auch in Morbiditäts- und Mortalitätsraten im Erwachsenenalter fort. "Männlich, jung und tot", so der provokante Slogan von Prof. Dr. Siegfried Meryn, dem Initiator und Präsidenten des "World Congress on Men’s Health" (WCMH), der Ende Oktober in Wien stattfand. Umso mehr verwundert der nachlässige Umgang der Männer mit sich und ihrer eigenen Gesundheit: Sie nehmen zum Teil extreme Gesundheitsrisiken in Kauf, sind hinsichtlich wichtiger Gesundheitsfragen schlecht informiert und oft unwillig, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Unterschiede im Umgang mit der Gesundheit und der Bereitschaft, das Gesundheitssystem anzunehmen, machen eine geschlechterspezifische Medizin dringend notwendig.

In der öffentlichen Wahrnehmung wird Männergesundheit häufig nur mit Prostatabeschwerden oder Impotenz assoziiert. "Das Ziel muss sein, Männer dazu zu bewegen, mehr aktive Verantwortung in Bezug auf die eigene Gesundheit zu übernehmen", forderte Doz. Dr. Andreas Jungwirth, Urologe am Landeskrankenhaus Salzburg. Die Schwerpunkte des Kongresses signalisierten die neuen Anforderungen an eine genderorientierte Medizin: Männliche Krankheitsbilder erscheinen nicht isoliert, sondern im psychosozialen und soziokulturellen Kontext. Diskutiert wurden unter anderem das riskante Lifestyle-Verhalten der Männer, die männliche Sexualität, die männliche Psyche und die un-übersehbare Identitätskrise des Mannes. "Die Erkenntnisse der Männer-gesundheit werden das Rollenbild des Mannes neu definieren", zeigte sich Meryn überzeugt.

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