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Allgemeinmedizin 30. Juni 2005

4 Jahre orale Therapie der erektilen Dysfunktion

Bis zu 20 Prozent der Männer, die ihren Hausarzt aufsuchen, haben sexuelle Störungen. Die Auswirkungen gehen weit über ein beeinträchtigtes Sexualleben hinaus. Sie reichen vom verminderten seelischen Wohlbefinden der Betroffenen über ein gestörtes Selbstwertgefühl bis zu schweren Partnerschaftskonflikten. Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass die Markteinführung von Sildenafil vor vier Jahren allgemeines Aufsehen erregte und der Handelsname Viagra® zum Synonym für die medikamentöse Behandlung von Erektionsstörungen wurde. 

"Das öffentliche und mediale Interesse war nur mit dem bei der Einführung der Antibabypille vergleichbar", erklärte Prof. Dr. Ulrich Wetterauer, Universitätsklinikum Freiburg. In der Folge wurden Erektionsstörungen zunehmend als Krankheit erkannt und akzeptiert. Der Experte wies darauf hin, dass vor allem bei Männern in der zweiten Lebenshälfte eine erektile Dysfunktion (ED) oft auf vaskulärer Basis entsteht. In pointierter Form könne von der "Erektion als Blick in das Herz des Mannes" gesprochen werden. Etwa 50 Prozent der Männer ohne Herzbeschwerden, die wegen Erektionsproblemen ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen, haben gleichzeitig eine bis dahin unerkannte, schwere koronare Herzerkrankung". 

Prof. Dr. Karl Stifter, klinischer Psychologe und Sexualtherapeut an der Universität Wien wies darauf hin, dass vielfach das sexuelle Erleben von Männern durch Mythen geprägt wird. "Zu den häufigsten Irrtümern gehört die Annahme, Potenz sei erregungsunabhängig. Auch hinsichtlich der Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs bestehen oft völlig unangemessene Vorstellungen". Vielen Männern fällt es schwer, Sexualität einfach geschehen zu lassen. Statt dessen ist ihr Verhalten durch krampfhafte Selbstbeobachtung und Versagensängste bestimmt. 

Der Experte betonte, dass es bei der Behandlung der psychischen Komponente von Erektionsstörungen um die Verlagerung des Denkens von "Ich kann nicht" zur Einsicht "Ich erlaube es mir nicht" geht. Zusätzlich kann eine orale medikamentöse Therapie einen Rückhalt bieten, sich mehr entsprechend seiner Lust zu verhalten. 

Doz. Dr. Andreas Jungwirth, St. Johanns Spital Salzburg, nannte einige Zahlen: "Etwa 300.000 Männer in Österreich sind von erektiler Dysfunktion betroffen. Etwa 70 Prozent davon glauben, dass ihr Arzt - auf das Problem angesprochen - entsetzt wäre oder sie nicht ernst nehmen würde. So beanspruchen nur 2 von 10 Betroffenen tatsächlich ärztliche Hilfe." Dabei sind die Therapieerfolge überzeugend und gut dokumentiert. Mit Viagra® wurden inzwischen weltweit mehr als 20 Millionen Männer mit über einer Milliarde Einzeldosen behandelt. 

"Nach bis zu fünfjähriger Anwendung berichten 99 Prozent der Patienten von einer Verbesserung ihres Sexuallebens", erklärte der Experte. Die Datenlage ist nicht nur in Bezug auf die Patientenzufriedenheit günstig als auch. An großen Patientenkollektiven konnte gezeigt werden, dass die Anwendung von Viagra® auch bei bestehender Komorbidität mit ausreichender Sicherheit erfolgen kann. Als wichtige Ausnahme in diesem Zusammenhang gilt die Wechselwirkung mit NO-Donatoren und Nitraten, deren Anwendung eine absolute Kontraindikation für den Einsatz von Sildenafil darstellt.

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