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© Klaus Rose
 
Allgemeinmedizin 5. Oktober 2012

Hausarzt im Zentrum

Neue ESC-Leitlinie zur KHK-Prävention vorgestellt.

Im Rahmen des Europäischen Herzkongresses 2012 in München wurde die neue Leitlinie „KHK-Prävention“ vorgestellt. Die fünfte aktualisierte Version wurde in Kooperation von neun europäischen Fachgesellschaften erarbeitet.

Im Vergleich zur letzten Fassung von 2007 bietet sie zusätzliche Inhalte, eine übersichtlichere Struktur und eine stärkere Ausrichtung auf klinische Bezüge und praktische Umsetzung.

Der Hausarzt wird als zentrale Figur („key provider“) der KHK-Prävention gesehen, die als lebenslanges Anliegen („life long effort“) aufgefasst wird und in verstärktem Maße auch über politische Maßnahmen im täglichen Leben umgesetzt werden soll. „Changing human behaviour is a political issue“, betonte Prof. Dr. Joep Perk aus Kalmar in Schweden, Chairman der “CVD Prevention Guideline Task Force”.

Prävention könnte viele KHK-Fälle vermeiden

Der hierfür benötigte Nachdruck ergibt sich aus der Tatsache, dass in Europa jährlich 4,3 Millionen Menschen an kardiovaskulären Krankheiten sterben. Die meisten Patienten könnte ihr Leben durch geeignete Prävention verbessern, wie z.B. die INTERHEART Studie belegt hat: 90 Prozent des Herzinfarktrisikos gingen in dieser Studie auf neun klar definierte, durch Änderung des Lebensstils beeinflussbare Risikofaktoren zurück.

Risikoscreening für Männer ab 40 empfohlen

Die Leitlinie empfiehlt ein Risikofaktoren-Screening für Männer ab dem 40 und für Frauen 50 bzw. ab Eintritt der Menopause. Zur besseren Veranschaulichung wird das Risikoalter als neue Bezugsgröße eingeführt („risk age concept“). Mithilfe farbiger Score-Tabellen können dem Patienten sein individuelles Risiko in Abhängigkeit von Alter, Geschlecht, Nikotinkonsum, Blutdruck und Cholesterinwert anschaulich gemacht werden, um die Motivation für eine Lebensstiländerung zu unterstützen.

10-Punkte-Strategie zur Patienten-Motivation

Um den Patienten für einen gesünderen Lebensstil zu motivieren, wird ein 10-Punkte-Konzept empfohlen. Die wichtigsten Maßnahmen sind folgend:

• Eine therapeutische Allianz mit dem Patienten entwickeln,

• den Zusammenhang zwischen Lebensstil und Gesundheitsrisiko veranschaulichen,

• gemeinsam die zu ändernden Risikofaktoren identifizieren,

• Hindernisse für Lebensstiländerungen gemeinsam erörtern,

• Patienten-Commitment zur Lebensstiländerung einfordern und

• Fortschritte kontinuierlich überwachen.

Als Blutdruck-Zielwert gibt die Leitlinie ‹140/90mmHg an. Die etablierten Antihypertensiva werden als gleichwertig angesehen, die individuelle Therapieentscheidung bleibt dem Arzt überlassen. Für Diabetiker gilt ein RR-Zielwert ‹140/80mmHg und für das HbA1c ‹7,0 Prozent. Die angestrebten LDL-Zielwerte sind ‹70mg/dl (‹1,8 mmol/l) für Patienten mit sehr hohem Risiko bzw. ‹100 mg/dl (‹2,5 mmol/l) bei hohem Risiko und ‹115 mg/dl (‹3,0 mmol/l) bei mäßigem Risiko.

Weitere Details sind verfügbar unter www.escardio.org/guidelines.

Literatur: The Fifth Joint Task Force. European Guidelines on Cardiovascular Disease Prevention in Clinical Practice,, doi:10.1093/eurheartj/ehs092

springermedizin.de, Ärzte Woche 40/2012

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