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Allgemeinmedizin 4. April 2006

Miktionsstörungen sind beherrschbar

Mehr als die Hälfte der Männer über 60 Jahren hat eine benigne Prostata- Hyperplasie (BPH). Bis zu 30 Prozent dieser Männer haben Symptome wie starken nächtlichen Harndrang, verminderten Harnfluss und Dranginkontinenz. Mit geeigneten Arzneien lassen sich die Symptome schnell und wirkungsvoll lindern, und auch das Prostatavolumen kann verringert werden.

Je nach Art und Intensität der Beschwerden gibt es für BPH-Patienten heute mehrere Therapieoptionen:· ö Phytopharmaka sind vor allem bei leichten bis mittelstarken Miktionsbeschwerden ohne Überlaufblase und ohne Stauung der oberen Harnwege indiziert. Arzneimittel-Interaktionen und unerwünschte Wirkungen werden kaum beobachtet. In Studien ließen sich die Beschwerden meist nach einem halben Jahr gut bessern. Mit dem Phytosterol ß-Sitosterin, das etwa aus der Afrikanischen Knolle (Hypoxis rooperi) sowie aus Pinien gewonnen wird, gingen in einer Studie mit 200 Männern die Beschwerden nach dem Internationalen Prostata-Symptom-Fragebogen (IPSS) in sechs Monaten um 7,4 Punkte zurück, mit Placebo um 2,3. In einer Studie mit über 470 Männern mit Kürbiskernextrakt sankt der IPSS-Wert nach 12 Monaten um 6,8 Punkte, mit Placebo um 5,6 Punkte. Mit Sabalfruchtextrakten ließen sich die Symptome in einer Vergleichsstudie mit über 1.000 Patienten nach dem IPSS um 37 Prozent reduzieren, mit Finasterid um 39 Prozent.
Roggenpollenextrakte besserten die Symptome nach drei Monaten bei über 100 Patienten um 40 Prozent, verglichen mit Placebo. Mit einer Kombination aus Sabalfrucht- plus Brennesselwurzelextrakt ließen sich die Symptome bei 140 Patienten ähnlich gut verbessern wie mit Tamsulosin: In beiden Gruppen sank der IPSS von im Schnitt 20 auf 11. Und wurde diese Kombination mit Finasterid verglichen (490 Patienten), so fiel der IPSS von 11,3 auf 6,5 mit der Kombination und von 12,6 auf 6,9 mit Finasterid. ö Alpha-1-Rezeptorenblocker haben den Vorteil, dass sie BPH-Symptome wie Nykturie, Dysurie, Harndrang und Pollakisurie rasch lindern. In Studien ließ sich mit Alfuzosin, Doxazosin, Tamsulosin und Terazosinden ein maximaler Harnfluss von 12 bis 14 ml/s erreichen und die Punktwerte auf Symptomskalen gingen um 30 bis 45 Prozent zurück.
ö 5-alpha-Reduktasehemmer können auch das Volumen der Prostata reduzieren und sind spätestens dann indiziert, wenn das Volumen 40 ml überschreitet. Verfügbar sind Finasterid und Dutasterid. Für Finasterid liegen Langzeitdaten vor: Nach sieben Jahren Therapie ließ sich das Prostatavolumen im Schnitt um 25 Prozent senken, der Harnfluss um ein bis zwei ml/s steigern. Bei einer vier Jahre dauernden Studie mit über 3.000 Patienten traten akute Harnverhalte bei 42 Männern auf, mit Placebo bei 99 Männer. Die Zahl der BPH-assoziierten Operationen war um 55 Prozent niedriger als mit Placebo.
Für Dutasterid konnte die Wirksamkeit in einer Phase-III-Studie mit über 4.300 Männern belegt werden. Nach zwei Jahren Therapie verkleinerte sich die Prostata im Schnitt um 26 Prozent, der maximale Harnfluss stieg um 1,7 ml/s, die Rate für akuten Harnverhalt war um 57 Prozent und die Rate für eine Operation aufgrund der BPH um 48 Prozent geringer als mit Placebo. Diskutiert wird auch eine Kombinationstherapie mit einem Alpha-1- und einem 5-alpha-Reduktase-Blocker: In einer Studie mit über 3.000 Männern, die über viereinhalb Jahre Finasterid plus Doxazosin erhielten, war die Rate für einen akuten Harnverhalt um knapp 80 Prozent und für eine Operation um knapp 70 Prozent geringer als mit Placebo.

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