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Allgemeinmedizin 4. April 2006

Die Potenz der Österreicher

Eine eigene Studie, durchgeführt im Donauspital in Wien, beschäftigt sich mit der Analyse von Prävalenz und Risikofaktoren für Erektile Dysfunktion. Männer im Alter von 30 bis 69 Jahren, die an einer Gesundenuntersuchung der Stadt Wien teilnahmen, beantworteten dafür 11 Fragen zur Erektionsfähigkeit.

Die Ergebnisse wurden bei einer Pressekonferenz in Wien präsentiert. 8,2% der Männer gaben in der Studie an, in den letzten vier Wochen keinen Geschlechtsverkehr gehabt zu haben, 5,1% berichteten über eine mäßige bis schwere Potenzstörung, 13,1% über eine milde und 72,6 % hatten laut dieser Untersuchung keine Probleme mit ihrer Erektion. Die Prävalenz einer Erektilen Dysfunktion – definiert als die Unfähigkeit, eine Erektion bis zum Ende des Geschlechtsverkehrs aufrechtzuerhalten – steigt in dieser Studie von 12,5% bei den 30- bis 39-Jährigen auf 15,3% bei den 40- bis 49-Jährigen an. Weiters haben 27,4% der 50- bis 59-Jährigen und 45,2% der 60- bis 69-Jährigen Probleme mit der Erektionsfähigkeit.

Erstmals verlässliche Daten

„Die Studie liefert erstmals verlässliche Prävalenzdaten zur Erektilen Dysfunktion in Österreich“, fasste Studienleiter Doz. Dr. Stephan Madersbacher, OA an der Abteilung für Urologie am Donauspital, zusammen. „Identifiziert wurden dabei auch eine Reihe von Risikofaktoren für diese vor allem in der zweiten Lebenshälfte sehr häufige Erkrankung.“ Je nach Definition litten in Österreich derzeit zwischen 200.000 und 700.000 Männer an einer Erektilen Dysfunktion (siehe Grafik).
Was die Häufigkeit der sexuellen Aktivität betrifft, kommt die Studie zu folgender Analyse: 7,3% der 30- bis 39-jährigen Männer hatten in den letzten Wochen keinen Geschlechtsverkehr, bei den 50- bis 59-jährigen waren es 8,8% und bei den 60- bis 69-jährigen 17%. Auch diese Studie bestätigt, dass Diabetes, Bluthochdruck, Herz- und Gefäßkrankheiten definitiv Risikofaktoren für die Erektile Dysfunktion darstellen. Laut Madersbacher können aber auch Lifestyle-Faktoren, wie mangelnde körperliche Aktivität und Übergewicht, die Erektionsfähigkeit beeinträchtigen.

Männer-Sex-Report

Auch eine aktuelle Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Gallup gibt Einblick in den Umgang von Herrn Österreicher mit der Sexualität. Demnach hat fast jeder zweite Mann über 35 Probleme mit seiner Potenz. Nur 57 Prozent der Männer gaben an, immer eine Erektion zu haben, 21% meistens, 6% gelegentlich, 5% selten und 4% nie. Lediglich 48 Prozent der Befragten zeigen sich mit ihrem Sexualleben zufrieden. Laut eigener Einschätzung fühlen sich Männer, die unter Erektionsproblemen leiden, auch im Alltag weniger erfolgreich, selbstbewusst und zielstrebig. Als Hauptursache nannten 40 Prozent Stress, 18 Prozent Partnerschaftsprobleme bzw. Stress im Privatleben.

Steigende Prävalenz

Wie epidemiologische Studien zeigen, steigt die Prävalenz der ED zwar mit dem Alter an, doch leiden zunehmend auch jüngere Männer – in unterschiedlichem Ausmaß – unter Potenzstörungen. Laut Massachusetts Male Aging Studie wird die Anzahl der Patienten mit mittelgradiger ED mit 25%, jene mit schwerer ED mit 10% angenommen. Weltweit leiden rund 160 Millionen Männer unter einer Form der Erektilen Dysfunktion. Aufgrund der steigenden Lebenserwartung und umweltbedingter Faktoren werden nach Schätzungen der Experten im Jahr 2025 bereits 322 Millionen Männer Probleme mit ihrer Erektionsfähigkeit haben.
Experten gehen davon aus, dass die Ursachen für die meisten körperlichen und psychischen Erkrankungen zu 70 Prozent im westlichen Lifestyle und nur maximal zu 30 Prozent in der Genetik begründet sind. Das scheint auch für die Erektile Dysfunktion zu gelten, bedenkt man, dass im Alten China Männer bis ins hohe Alter durchaus potent waren. Neben den bekannten körperlichen Risikofaktoren sind als Ursache für die Zunahme an Potenzstörungen auch der westliche Lebensstil und gesellschaftliche Veränderungen zu nennen. Ein Mangel an sportlicher Aktivität, übermäßiger Nikotin- und Alkoholgenuss sind ebenso wenig potenzfördernd wie die zunehmende Stressbelastung am Arbeitsplatz.

Männer unter sozialem Druck

Auch die veränderte Rollendefinition der Geschlechter und die Brüchigkeit der sozialen Identifikationsmodelle beeinträchtigen das Selbstwertgefühl und damit die Libido und Potenz des Mannes. Aktuelle Untersuchungen (wie etwa die deutsche Forsa-Studie) zeigen, dass beruflicher Stress und familiäre Konflikte das Sexualleben stark beeinträchtigen können. Der Teufelskreis Überlastung – sexuelle Unzufriedenheit – Flucht in die Arbeit betrifft vor allem die Altersgruppe der 40-jährigen Männer.
Die besten Voraussetzungen für Gesundheit, Leistungsfähigkeit und erfüllende Sexualität sind aber dann gegeben, wenn alle wichtigen Lebensbereiche im Lot sind. Balancing-Maßnahmen, um Körper, Geist und Seele wieder ins Gleichgewicht zu bringen, müssen jedoch bewusst erlernt und im täglichen Leben umgesetzt werden.

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