zur Navigation zum Inhalt
 
Allgemeinmedizin 30. Juni 2005

Tirol: Erfolgreiches PSA-Screening

Doz. Wolfgang Horninger von der Innsbrucker Universitätsklinik für Urologie präsentierte am Kongress für Allgemeinmedizin in Graz sensationelle Daten vom Tiroler PSA-Screening-Programm.

In Tirol wird seit 1993 ein kostenloses PSA-Screening für Männer zwischen dem 45. und 75. Lebensjahr angeboten. Neben der Universitätsklinik für Urologie in Innsbruck sind auch praktische Ärzte und niedergelassene Urologen in das Programm eingebunden. Seit 1995 wird neben dem Gesamt-PSA auch das freie PSA bestimmt, was die Aussagekraft des Tests weiter steigert. Schon im ersten Jahr der Studie wurden 32 Prozent aller Tiroler Männer im entsprechenden Alter untersucht, 2001 konnte eine Gesamt-Screeningrate von knapp 75 Prozent angegeben werden. Drei Viertel aller Tiroler Männer zwischen 45 und 75 Jahren wurden mindestens einmal auf PSA gescreent. Bezogen auf die Beteiligung war das Tiroler PSA-Screening-Programm weltweit das größte Prostatakarzinom-Screening. Auch das Komplikationsprofil der transrektalen Biopsien ist als mild einzustufen. Die häufigsten Komplikationen waren Hämatospermie und Makrohämaturie.

Eine Tiroler Erfolgsstory

In Österreich gibt es beim Prostatakarzinom einen tendenziell geringen Rückgang der Mortalitätsrate. In Tirol hingegen konnte zwischen 1993 und 2000 ein statistisch signifikanter Rückgang beobachtet werden. Basierend auf den altersspezifischen Mortalitätsraten in Tirol zwischen 1986 und 1990 wurde die Altersgruppe der 40- bis 79-Jährigen analysiert: 1997 konnten 16, 1998 sogar 22 und 1999 immerhin 19 Prostatakarzinom-Tote weniger als erwartet gezählt werden. Die Abnahme der Mortalität betrug zwischen 32 (1997) und 42 Prozent (1999), im Jahr 2000 sogar 44 Prozent. In Tirol wurde – anders als im Bundestrend – eine signifikante Verlagerung zu niedrigeren Tumorstadien beobachtet. Die Tiroler Ärzte konnten vermehrt organbegrenzte, potenziell heilbare Tumore und eine 80-prozentige Reduktion metastatischer Stadien zum Zeitpunkt der Diagnose feststellen. Während 1993 nur 28,7 Prozent begrenzte Stadien gefunden wurden, waren es 2001 erfreuliche 82 Prozent. Die Erfolge des Screening-Programmes spiegeln sich auch in den gemessenen PSA-Werten wider: Das durchschnittlich gemessene PSA betrug bis Mitte der 90er-Jahre grob 14 ng/ml und sank bis 2001 auf Werte um 5,5ng/ml. Die Tiroler Initiative hat ihre Effizienz bewiesen und zeigt eindrucksvoll die Bedeutung von Vorsorgeuntersuchungen. Sie hat nicht nur zahlreiche Leben gerettet, sondern auch enorme Kosten in der Therapie einsparen geholfen. Aus sozialmedizinischer Sicht sind geeignete Screening-Verfahren die wichtigste Maßnahme gegen später unheilbare Krebserkrankungen.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben