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Allgemeinmedizin 4. April 2006

Risikominimierung ist immer sinnvoll

Das mittlere Lebensalter ist definiert als Zeitspanne zwischen dem vierten und sechsten Lebensjahrzehnt. Wie groß ist das Risiko, in diesem Lebensabschnitt an einer Herz-Kreislauferkrankung beziehungsweise einem Schlaganfall zu sterben? „Glücklicherweise nicht sehr groß“, stellte Prof. Dr. Peter Schmid, Herz-Kreislauf-Rehabilitationszentrum „Austria“ in Bad Schallerbach, fest.

Anzahl und Ausmaß kardiovaskulärer Risikofaktoren in diesem Lebensabschnitt sind aber wesentlich für die Morbidität und Mortalität im Alter. So ist zum Beispiel bekannt, dass eine koronare Herzkrankheit bei Männern, die lebenslang einen Serumcholesterinspiegel von unter 200mg/dl aufwiesen, erst ab dem 70. Lebensjahr zu erwarten ist, bei Männern mit 250mg/dl ab dem 60., mit 300mg/dl ab dem 50. und mit 350mg/dl schon ab dem 40. Lebensjahr.
Ähnliches gilt für andere kardiovaskuläre Risikofaktoren, wie Zigaretten rauchen, Diabetes mellitus und Hypertonie. „Auch hier kann davon ausgegangen werden, dass trotz normalen Serumcholesterinspiegels von unter 200mg/dl jeder weitere Risikofaktor in Abhängigkeit von seiner Ausprägung eine stenosierende Koronarsklerose um jeweils bis zu zehn Jahre pro Risikofaktor früher auftreten lässt“, so Schmid. Mit anderen Worten: Männer mit Hypercholesterinämie, Hypertonie, Diabetes mellitus und intensivem Zigarettenkonsum können schon vor dem 40. Lebensjahr Angina-pectoris-Beschwerden aufweisen beziehungsweise einen Herzinfarkt erleiden. Zum Alkoholkonsum: Der Österreicher trinkt jährlich im Schnitt 138 Liter Bier, 37 Liter Wein, 16 Liter Most, 4,5 Liter Spirituosen, also insgesamt rund 14 Liter reinen Alkohol. Dabei konsumieren 25 Prozent der 40- bis 60-Jährigen täglich Alkohol, und zwar 50 bis 60g, was manchmal zum Holiday-Heart-Syndrom führt.

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Das Holiday-Heart-Syndrom

Darunter versteht man das Auftreten von supraventrikulären Tachyarrhythmien, Vorhofflattern, ventrikulären Extrasystolen und verschiedenen Formen der Reizleitungsstörungen mit AV-Blockierungen und Schenkelblockbildern durch den Einfluss insbesondere von akutem, aber auch von chronischem Alkoholabusus. Mehr als sechs Drinks (=120mg Alkohol) pro Tag erhöhen das Risiko für supraventrikuläre Tachykardien um das Fünffache. Chronischer Alkoholabusus zwischen ein und vier Drinks führt zu einer Risikoreduktion von Herzinfarkt und Herzinsuffizienz von über 40 Prozent, allerdings nehmen Karzinome der Mundhöhle, des Pharynx, des Larynx und des Ösophagus, abgesehen von der bekannten Leberschädigung mit all ihren Folgen (Ösophagusvarizen, Blutungen etc.) bis um 28 Prozent zu.

Leidiges Gewichtsproblem

Ein weiterer Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist das Körpergewicht. Während die meisten Männer zwischen dem 16. und 25. Lebensjahr einen Body-Mass-Index von 23 aufweisen, liegt selbiger im 60. Lebensjahr bei einem nahezu linearen Anstieg bei knapp 27. „Dies bedeutet für 45- bis 54-jährige Männer eine Erhöhung der kardialen Mortalität um 50 Prozent, unabhängig von allen anderen kardiovaskulären Risikofaktoren“, erklärte Schmid.
So sei es nicht verwunderlich, dass eine einjährige diätinduzierte Gewichtsreduktion bei schwer adipösen männlichen Post-Infarkt-Patienten mittleren Alters von über 7 kg gegenüber Patienten, die nur 3 kg im gleichen Zeitraum verloren haben, eine Reduktion kardialer Ereignisse und auch der kardialen Mortalität bzw. der Gesamtmortalität von rund 50 Prozent bewirkt. Eines steht für den Internisten fest: „Die Risikominimierung bezüglich kardiovaskulärer Erkrankungen kann insbesondere im mittleren Lebensalter noch sehr erfolgreich gestaltet werden. Sie ist auch sinnvoll, weil daraus ein gesünderes und höheres Lebensalter resultiert.“

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