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Allgemeinmedizin 30. Juni 2005

Männern keine Wunder versprechen

Männern gehen erst dann zum Arzt, wenn es gar nicht mehr anders geht. "Besonders trifft das auf die Generation der Männer ab 60 zu, aber auch bei vielen jüngeren Geschlechtsgenossen scheint zu gelten: Krank sein und zum Arzt gehen ist ein Zeichen der Schwäche und daher verpönt - ganz zu schweigen von Gesundenuntersuchungen", sagt OA Dr. Michael Dunzinger, Androloge am Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Linz und in freier Praxis.

Prozess der Involution

Aber in der Generation der Männer um die 40 ortet er einen langsamen Gegentrend. Gesunde Lebensweise werde allmählich wichtiger, und auch der Arztbesuch erfolge nicht erst dann, wenn es nicht mehr anders geht. In der nächsten Generation werde diese Entwicklung noch stärker zum Tragen kommen.

"In der Medizin verstärkt sich auch der Trend, dass eine Art Gleichwertigkeit mit der Frau propagiert wird", analysiert Dunzinger. Die Gynäkologie habe gute Erfolge in der Hormonbehandlung der Frau auch in Bezug auf Vorbeugung von Erkrankungen wie Osteoperose. "Das lässt sich natürlich nicht völlig auf den Mann umlegen", schränkt Dunzinger ein. Der Wechsel der Frau sei nicht mit dem "Wechsel" des Mannes, der Hoden nicht mit den Eierstöcken vergleichbar. "Beim Mann gibt es die Andropause nicht", so der Urologe. Zunehmend setze sich die richtige Bezeichnung PADAM durch, das partielle Androgen-Defizit des alternden Mannes. "Ich halte es für unehrlich zu behaupten, die Medizin könne hier Wunder wirken", betont Dunzinger. Nur bei einem geringen Teil älterer Männer ließe sich tatsächlich ein Hormonmangel nachweisen. "Natürlich muss das gut abklärt und, wenn nötig, entsprechend behandelt werden, aber sonst stehe ich dem Einsatz von Hormonen eher kritisch gegenüber."

Symptome wie depressive Verstimmungen, Abgeschlagenheit, leichtes Schwitzen, Erektionsprobleme und andere prägen den Prozess der Involution, die jeden Man betrifft. "Sie verläuft aber oft nicht deutlich erkennbar", so Dunzinger, "zum Beispiel werden Depressionen bei Männern häufig übersehen." Doch die hormonelle Situation könne für die Involution sicher nicht zu 100 Prozent verantwortlich gemacht werden.

Gesundenuntersuchung

In der Propagierung der Männergesundheit sollte der Fokus auf der Förderung der Gesundenuntersuchungen und dem regelmäßigen Besuch beim Urologen ab 40 liegen. "Wurde eine hormonelle Störung ausgeschlossen, sollte der Arzt die veränderte Lebenssituation thematisieren und über den natürlichen Prozess des Altwerdens sprechen", schlägt Dunzinger vor. Das würde natürlich ein entsprechendes Zeitengagement des Arztes bedeuten - und Ehrlichkeit: "Ich darf nicht Wunder versprechen, nur weil alle Medien voll sind mit scheinbar ewig jungen und starken Männern", so der Urologe. Besonders am Herzen liegt ihm das Thema Sexualität, das "viel breiter und sensibel thematisiert werden müsste, im Speziellen die erektile Dysfunktion". Männer müssten direkt angesprochen und ermutigt werden, entsprechende Beschwerden mit ihrem Urologen zu besprechen.

Kooperation gefragt

"Bei der Männergesundheit geht es auch um ein standespolitisches Problem", meint Dunzinger, der großen Wert auf die Kooperation mit Gynäkologen legt. "Manche Gynäkologen fördern teils sehr stark den Eindruck, die Medizin könnte dafür sorgen, dass auch Patienten über 80 ?undermänner?bleiben" (siehe dazu Kasten). Dunzinger selbst hat in Linz eine andrologische Praxis für Kinderwunsch, sexuelle Funktionsstörungen und den "alternden Mann" aufgebaut. Er arbeitet eng mit einem Gynäkologen und einer Psychotherapeutin zusammen.

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