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Allgemeinmedizin 30. Juni 2005

Urologen für den Kampf um den Mann gewappnet

Urologische Erkrankungen zeigen eine steigende Inzidenz und Prävalenz. Das Prostatakarzinom beispielsweise avanciert zur häufigsten Krebsart des Mannes und die erektile Dysfunktion tritt endlich aus dem Tabu-Schatten. Die ÄRZTE WOCHE befragte Doz. Dr. Andreas Jungwirth zum aktuellen Thema:

Wie sehen Sie die Rolle des Urologen/Andrologen als primären Partner des Mannes und seiner geschlechtsspezifischen Erkrankungen?

Über die Kompetenz des Urologen als Männerarzt kann kein Zweifel bestehen, allerdings haben wir es mit einem schwierigen Klientel zu tun. Die Männer nehmen das Angebot der Gesundenuntersuchung viel weniger in Anspruch als die Frauen. Der Zugang zum Gesundheitssystem ist somit ein kurativer und nicht ein präventiver. Meist sehen wir die Männer erst, wenn bereits so starke Beeinträchtigungen der Gesundheit bestehen, dass er unsere Dienste in Anspruch nimmt. Die Forderung nach einem Männerarzt kommt von geschäftstüchtigen Gynäkologen und ausgerechnet die glauben die besseren "Partner" für den alternden Mann zu sein.

Kann der Urologe das Pendant zum Gynäkologen werden ?

Um ein Pendant zum Gynäkologen zu werden bedarf es einer umfassenden Änderung des Gesundheitsbewusstseins des Mannes, und die muss bereits in jungen Jahren erfolgen. Einem Mann mit 50 zu sagen, dass er jetzt plötzlich jährlich zur Vorsorgeuntersuchung gehen soll, ist sicherlich nicht sehr attraktiv, insbesondere wenn dann schon ein bisschen der Altersstarrsinn dazukommt. Die Funktion des Urologen muss es sein, einerseits als kompetenter Facharzt die urologisch/andrologischen Probleme zu therapieren, andererseits als Koordinator zwischen den verschiedenen Fachrichtungen ( Internist, Geriater, Nuklearmediziner etc.) zu fungieren.

Welche Rolle spielen hormonelle Veränderungen des Mannes im Laufe des Älterwerdens - gibt es die "Andropause"? Welche Bedeutung hat die HRT(hormone-replacement-therapy) - für denn Mann heute bzw. in Zukunft?

Hormonelle Veränderungen gibt es natürlich auch beim älter werdenden Mann, allerdings nicht so ausgeprägt wie bei der Frau im Klimakterium. Da beim Mann die Testosteronproduktion bis ins hohe Alter aufrecht bleibt (wenn auch mit abnehmender Serumkonzentration), so kann man nicht von der Andropause sprechen - dies würde ja den Stop der Hormonproduktion bedeuten. Richtig sind vielmehr Bezeichnungen wie "Androclise" oder "Partielles Androgendefizit des Alternden Mannes (PADAM)". Eine Hormonersatztherapie ist nur bei nachgewiesenem Androgendefizit und dann nur bei Männern sinnvoll, welche unter Symptomen des Hormonmangels leiden ( z.B. Hitzewallungen, verminderte Belastbarkeit, Libidoverlust etc.). Was die Zukunft in der Hormonersatztherapie bringen wird ist ungewiss, da bislang nur 5-Jahres Langzeitergebnisse über die Testosteronsupplementierung vorliegen.

Aus epidemiologischer Sicht - Welche Entwicklungen werden, Ihr Fach betreffend, für die Männer in den nächsten Jahren entscheidend sein ? Mit welchen Erkrankungen werden wir vermehrt zu kämpfen haben? Welche Rolle werden Vorsorgeuntersuchungen/Lifestylefragen spielen?

Die Erkrankungen, welche in den nächsten Jahren vermehrt auftreten werden, ergeben sich ganz einfach aus der sich rapide verändernden Altersstruktur in der Bevölkerung. Wenn die Entwicklung so weitergeht und keine politischen Gegenmaßnahmen getroffen werden, so wird die Pädiatrie ein "aussterbendes Fach" und die Geriatrie boomen. Aus dieser Überlegung wird man sich auch Gedanken machen müssen, wieviel Geld im Gesundheitsbudget bei einer überalterten Bevölkerung für den Einzelnen übrig bleibt. Medizinische Vorsorge, körperliche Fitness, Umstellung der Ernährung etc. wird die einzige Möglichkeit sein, wie wir gesund altern und somit das Gesundheitssystem entlasten können.

Thema "Androcheck": Was sind die Hintergründe für diese Aktion - was kann man bewirken?

Männer gehen prinzipiell ungern zur Vorsorge. Mit der Aktion Androcheck versuchen nun die Urologen Österreichs die Männer vermehrt in die Praxen einzuladen. Dabei geht es um die vier Punkte der urologischen Vorsorge: Abklärung der benignen Prostatavergrößerung und des Prostatakarzinoms, erektile Dysfunktion und Hormonmangel. All die Bemühungen können aber nur dann von Erfolg sein, wenn die praktischen Ärzte/Innen von der Sinnhaftigkeit der Aktion überzeugt sind und die Männer davon überzeugen, dass die urologische Vorsoge Lebenszeit und Lebensqualität verbessern kann.

Dr. Andreas Winkler, Ärzte Woche 4/2001

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