zur Navigation zum Inhalt
 
Allgemeinmedizin 30. Juni 2005

Modernes Management der erektilen Dysfunktion

Laut Dr. Werner Reiter, Univ.-Klinik für Urologie, AKH Wien, handelt es sich bei der erektilen Dysfunktion um die Unfähigkeit, eine Erektion, die für einen Geschlechtsverkehr ausreicht, zu erzielen oder aufrecht zu erhalten.

Leichtere Formen im Alter häufig

Das komplexe Krankheitsbild erfordert sorgfältige Abklärung aller körperlichen und psychischen Aspekte. Bei Einschätzung des Krankheitswertes ist aber zu beachten, dass es im Alter zwischen 40 und 70 Jahren allgemein bei 5 bis 15 Prozent der versuchten Erektionen zu einer kompletten Dysfunktion kommt. Leichtere Formen der erektilen Dysfunktion sind sogar noch häufiger. Die Diagnostik der erektilen Dysfunktion umfasst laut Reiter eine sorgfältige medizinische und Sexualanamnese, eine körperliche Untersuchung, einen psychologischen und sexualmedizinischen Status sowie einen hormonellen, urologischen und endokrinen Status. Verlaufskontrollen sollten zumindest einmal pro Jahr durchgeführt werden.

An Therapieoptionen bieten sich derzeit entweder eine psychologische Beratung oder bei organischen Ursachen eine Vakuumpumpe als Penisimplantat, eine Injektionstherapie mit vasoaktiven Substanzen in den Schwellkörper (Corpus cavernosum), eine transurethrale PGE-1-Applikation (MUSE) oder die Gabe von Sildenafil (Viagra®) bzw. Apomorphin Hydrochlorid an. Zur Erzielung eines gewünschten Therapieerfolges ist eine konsequente interdisziplinäre Zusammenarbeit notwendig. Mit Apomorphin steht seit Mai 2001 eine innovative Behandlungsmöglichkeit der erektilen Dysfunktion zur Verfügung. Die Uprima®-Sublingual-Tablette zeichnet sich durch einen Wirkungseintritt innerhalb von 20 Minuten aus.

Zentraler Dopamin Rezeptor-Agonist

Apomorphin besitzt mit den Morphinen keine pharmakologischen Gemeinsamkeiten, also auch keine analgetische Wirkung und kein Suchtpotenzial. Apomorphin wird als zentraler Dopamin-Rezeptor-Agonist mit einer Präferenz für die D2-Rezeptor-Subgruppe eingestuft. Im Gegensatz zu Sildenafil, das direkt am Zielorgan wirkt, hat Uprima® zentrale Angriffspunkte (Nucleus paraventricularis), die für die Entstehung einer natürlichen Erektion maßgeblich sind.

Apomorphin wird nicht über das Cytochrom P450 metabolisiert, was für HIV-positive Patienten, die eine antiretrovirale Kombinationstherapie mit einem Proteasehemmer erhalten, von großer Bedeutung ist. Der Proteasehemmer Indinavir führt zum Beispiel zu einer Akkumulation von Sildenafil. Die Wirkung von 2 mg Apomorphin entspricht jener von 50 mg Sildenafil, 3 mg Apomorphin jener von 100 mg Sildenafil. Bisher wurden in 33 klinischen Studien über 5.000 Patienten mit erektiler Dysfunktion unterschiedlichen Schweregrades mit Uprima® behandelt. Das Medikament zeigte dabei eine hohe Effektivität und eine gute Verträglichkeit. Bei langfristiger Therapie tritt kein Wirkungsverlust ein. Die häufigsten Nebenwirkungen waren zumeist vorübergehend, von milder Natur und umfassten hauptsächlich Übelkeit (6,8 Prozent) oder Kopfschmerzen (6,7 Prozent).

Reiter: "Apomorphin hat keine Auswirkungen auf die Libido oder den sexuellen Antrieb. Es entfaltet seine Wirkung nur dann, wenn eine gezielte sexuelle Stimulation eintritt und verstärkt dann jene Reaktionskette, die zu einer für den Geschlechtsverkehr geeigneten und befriedigenden Erektion führt."

Quelle: AIDS-Symposium,Fuschl, Juni 2001

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben