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Allgemeinmedizin 30. Juni 2005

Bei Männern ist Nachfragen wichtig

Das Gesundheitsbewusstsein der Männer ist gering ausgeprägt, außerdem sind männliche Patienten in Arztpraxen meist sehr kurz angebunden.

„Männer gehören ganz nach oben auf die Liste so genannter Problempatienten, unabhängig davon, welche Krankheit sie haben“, meint der Wiener Internist Prof. Dr. Siegfried Meryn. Studien haben ergeben, dass die bei weitem kürzesten Gespräche in Arztpraxen die zwischen männlichen Ärzten und männlichen Patienten seien. „Da müssen wir uns nicht wundern, wenn vieles unter den Tisch fällt“, so Meryn. Die besonderen Schwierigkeiten, mit denen Ärzte beim „Patienten Mann“ konfrontiert sind, gehen weit über das Thema Potenzstörungen hinaus. Meryn: „Verglichen mit Frauen gehen Männer seltener zu Vorsorgeuntersuchungen. Sie lassen sich auch seltener impfen“.

Anderes Verständnis

Männer, denen beim Stuhlgang Blutbeimengungen auffallen, brauchen im Durchschnitt zehn Tage, bis sie sich deswegen an einen Arzt wenden. Bei Frauen dauert das maximal drei bis fünf Tage. Für den Arzt oder die Ärztin in der Praxis heißt das: Wer sich damit zufrieden gibt, wenn ein Mann seine medizinischen Probleme bagatellisiert, übersieht leicht wichtige Hinweise, etwa erste Zeichen einer Krebserkrankung. Nachfragen heißt also die Devise. Die Potenzschwäche ist zwar nicht das einzige, aber ein wichtiges Männerproblem, mit dem Ärzte in der Praxis konfrontiert werden. Die Kunst ist es, zwischen jenen Männern zu unterscheiden, bei denen das Problem durch einen Hormonmangel verursacht wird, und jenen, bei denen die Potenzschwäche Zeichen einer Gefäßschädigung ist, etwa bei einer Herz-Kreislauferkrankung oder bei Diabetes mellitus.

Sinkende Hormonspiegel

Eine solche Unterscheidung ist wichtig, denn nicht nur bei Frauen, sondern auch bei alternden Männern kann eine veränderte Hormonproduktion zu Problemen führen. So haben ältere Männer oft zu wenig Testosteron und zu wenig Wachstumshormon. „Ab dem 40. Lebensjahr sinkt bei Männern der Testosterongehalt im Blut. Um das 60. Lebensjahr herum hat etwa ein Drittel der Männer zu niedrige Testosteron-Werte. Und davon klagt wiederum ein Drittel über Symptome, die auf diesem Hormonmangel beruhen“, so Meryn. Häufige Symptome sind mangelnder sexueller Appetit, Muskel- und Knochenschwund, Depressionen sowie Blutarmut. Hinnehmen müsse den Hormonmangel heute niemand mehr, versichert Meryn. Hat ein Mann einen zu niedrigen Testosteronspiegel und die dazu passenden Beschwerden, kommt vor allem eine Hormonersatz-Therapie in Frage. „Bei Potenzproblemen hilft eine Therapie mit Potenz fördernden Mitteln, oft allerdings erst die Kombination aus Potenzpille und Hormonersatz“, weiß Meryn. Ersetzt wird vor allem Testosteron. Heute reicht eine intramuskuläre Injektion pro Vierteljahr. Inzwischen werden auch häufig Testosteron-Gele verwendet. Und in Australien gibt es seit neuestem kleine Testosteron-Plättchen, die einfach unter die Haut gepflanzt werden.

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