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Allgemeinmedizin 27. August 2012

Mehr als Frakturprävention

Länger leben mit Vitamin D und Kalzium.

Alte Menschen leben länger, wenn sie Vitamin D schlucken, sofern sie es mit Kalzium kombinieren. Der Gewinn an Lebenszeit verdankt sich nicht nur einem Rückgang von frakturbedingten Todesfällen.

Vitamin D werden über die Wirkungen auf Knochen und Mineralstoffwechsel hinaus zahlreiche physiologische Funktionen zugeschrieben. Niedrige Spiegel sind aufgrund von epidemiologischen Studien unter anderem mit Krebs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen und auch mit einer erhöhten Mortalität in Zusammenhang gebracht worden.

Letzteres haben dänische Forscher nun anhand von Interventionsstudien mit Vitamin D überprüft. Sie haben aus allen randomisierten placebokontrollierten Studien mit mehr als 1.000 Teilnehmern die Daten der einzelnen Probanden ausgewertet. Die insgesamt 70.528 Studienteilnehmer, zu fast 90 Prozent Frauen, waren im Median 70 Jahre alt.

Tatsächlich fand sich nach drei Jahren bei den Probanden mit Vitamin-D-Supplementation (mit oder ohne Kalzium) eine um 7 Prozent niedrigere Sterberate. Bei der Subgruppenanalyse stellte sich allerdings heraus, dass Vitamin-D-Tabletten allein die Mortalität nicht beeinflussten. Nur die Einnahme von Vitamin D plus Kalzium war im Placebovergleich mit einer geringeren Sterblichkeit assoziiert. Die absolute Risikoreduktion betrug 0,66 Prozent. Um einen Todesfall zu verhindern, müssen demnach 151 ältere Menschen drei Jahre lang regelmäßig Vitamin D und Kalzium supplementieren.

Eine Metaanalyse von insgesamt 24 Studien mit 88.097 Teilnehmern kam zu vergleichbaren Ergebnissen: eine Senkung der 3-Jahres-Mortalität um 6 Prozent mit Vitamin D plus Kalzium und keine Reduktion mit Vitamin D allein. Die höhere Lebenserwartung unter Vitamin D plus Kalzium ließ sich nicht mit der Vermeidung einer Osteoporose erklären – bei der Analyse auf Patientenebene war der Einfluss von Alter, Geschlecht und osteoporoseassoziierten Frakturen bereits herausgerechnet.

Eine mögliche Schlussfolgerung wäre, dass eben nicht Vitamin D, sondern Kalzium lebensverlängernd wirkt. Dagegen sprechen allerdings Studien, in denen eine Kalziumsupplementation mit einer höheren Herzinfarktrate einherging, wie die Studienautoren um Lars Rejnmark von der Universitätsklinik Aarhus zu bedenken geben.

Sie spekulieren vielmehr, dass sich durch die Kombination von Vitamin D und Kalzium die positiven Effekte etwa auf Infektionen, Krebs und Autoimmunerkrankungen gegenseitig verstärken und so den Tod hinauszögern. Zumindest steht nach dieser Studie fest, so ihr Fazit, dass ältere Menschen, wenn sie Vitamin D und Kalzium supplementieren, keine Minderung ihrer Lebenserwartung befürchten müssen.

springermedizin.de/bs
, Ärzte Woche 35/2012

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