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Allgemeinmedizin 27. August 2012

Knochenschlucker Wechseljahre

Osteoporose früh erkennen und rechtzeitig behandeln.

Etwa 30 Prozent der Frauen leiden nach den Wechseljahren an Knochenschwund. Entscheidend ist eine frühzeitige Diagnose und adäquate Therapie, betont Prof. Dr. Christian Singer, Brustkrebsexperte der Universitätsklinik für Frauenheilkunde am AKH Wien.

Die Taille schwindet, die im Pass angegebene Größe schluckt der Rundrücken. 70 bis 80 Prozent kann der Knochenverlust der Frau nach den Wechseljahren ausmachen. „Die Frau verliert die positive Wirkung des weiblichen Geschlechtshormons Östrogen auf die Knochen. Dem Alter entsprechend geht die hormonelle Produktion zurück.

Aber auch bei jungen Frauen, die durch die Entfernung der Eierstöcke in einen künstlichen Wechsel gebracht werden, setzt die Hormonproduktion aus und damit verlieren die Knochen ihren Schutz. Der verminderte Östrogenspiegel regt die Formation von Osteoklasten an und damit den Knochenabbau“, erklärt Singer.

Knochenkapital in jungen Jahren aufbauen

Frauen, die rechtzeitig eine gute Knochensubstanz aufbauen, können später von diesem Knochenkapital profitieren. Nicht neu, aber immer noch zu wenig befolgt. So empfiehlt Singer u.a. viel Bewegung im Sonnenlicht, die Einnahme von Kalzium und Vitamin D sowie gesunde Ernährung. Die Knochendichtemessung sollte alle ein bis zwei Jahre erfolgen. Das Ziel ist ein optimaler Frakturschutz, der vor allem von der Knochenmineraldichte und der Knochenstruktur abhängt, und da gibt es, wenn bei Frauen nach dem Wechsel bereits eine Osteoporose diagnostiziert wurde und ein erhöhtes Knochenrisiko besteht, neue Optionen.

Trendwende zu Antikörpertherapie

Bisher zählten Biophosphonate zur Standardtherapie. Da die Bedingungen für die Einnahme der Medikamente nicht besonders patientenfreundlich sind, ist die Compliance häufig relativ schlecht. „Nun zeichnet sich eine Trendwende zu einer biologischen Osteoporosetherapie ab. Ein neuer Wirkmechanismus wird mit dem monoklonalen Antikörper Denosumab erzielt, denn er greift die Osteoklasten früher an als andere Medikamente. Durch die Bindung an den RANK-Ligand Inhibitor wird die Entwicklung der Vorläuferzellen in reife und aktive Osteoklasten verhindert. Man könnte vereinfacht sagen, Denosumab imitiert den Schutz des Geschlechtshormons Östrogen auf die Knochenstruktur“, vergleicht Singer.

Denosumab wurde im Mai 2010 in der EU für die postmenopausale Osteoporosetherapie zugelassen. Halbjährlich werden 60 mg Denosumab subkutan injiziert, dazu wird die Einnahme von Kalzium und Vitamin D empfohlen. „Eine positive Wirkung dieser Antikörpertherapie wird auch beim hormonempfindlichen Mammakarzinom in Begleitung mit einer adjuvanten Behandlung mit Aromatase-Inhibitoren vermutet. Eine österreichweite Studie der ABCSG-Studiengruppe untersucht derzeit einen möglicherweise günstigen Einfluss der Antikörpertherapie bei Frauen, die nach dem Wechsel an Brustkrebs erkrankt sind“, betont Singer.

„Mit dieser biologischen Osteoporosetherapie konnte jedenfalls bei ansonsten gesunden Frauen eine Zunahme der Knochendichte festgestellt werden, das Risiko einer Wirbelknochenfraktur ging gegenüber der Placebogruppe um 68 Prozent zurück, jenes der Hüftfraktur um 46 Prozent“, so der Experte.

G. Niebauer, Ärzte Woche 35/2012

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