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Allgemeinmedizin 20. August 2012

Ventilatoren gegen Hitze: Viel Wind um nichts?

Cochrane-Review ergebnislos.

Während einer Hitzewelle neigen die Menschen dazu, Ventilatoren in Betrieb zu nehmen. Sie glauben, sich damit wohltuende Kühlung zu verschaffen. Subjektiv scheint das zuzutreffen. Aber kann man es objektiv beweisen?


Wer Entscheidungen von unklarer Tragweite zu treffen hat, sollte sich vorher gründlich über das nachweisbare Für und Wider informieren. Laut Saurabh Gupta vom Londoner Zentrum für Umweltgefahren und seinen Kollegen gilt dies insbesondere, wenn während einer Hitzewelle die Wahl ansteht, einen Ventilator einzuschalten oder nicht. Die Datenlage hierzu haben Gupta und sein Team im Zuge eines Cochrane-Reviews zu sondieren versucht.

Kritische Grenze: 35 °C


Wem dies als Witz erscheint, der sei darauf verwiesen, dass während der Hitzewelle von 2003 vermutlich 30.000 Menschen in Europa an den Folgen der hohen Temperaturen verstorben sind. Die Suche nach geeigneten Gegenmaßnahmen hat daher durchaus ihren Sinn. Das gezielte Verteilen von Ventilatoren an Angehörige von Risikogruppen gehört womöglich dazu. Doch von den Geräten könnte auch eine Gefahr für die Gesundheit ausgehen, und dies nicht nur, wenn sich die Krawatte darin verfängt. Überschreiten nämlich die Temperaturen die 35-Grad-Grenze, kann der Betrieb der zur Kühlung bestimmten Propeller dazu beitragen, den Körper weiter aufzuheizen – mit den entsprechenden physiologischen Reaktionen. Dazu zählt das Schwitzen. Pro Stunde vermag der Mensch bis zu zwei Liter Schweiß zu produzieren. Dehydratation, entgleisende Elektrolyte und Hitzekrämpfe unterm sich drehenden Ventilator könnten ungesunde Folgen sein.

Qualitätsansprüche nicht erfüllt


Die Cochrane-Forscher stießen auf 130 Studien, die sich mit dem Thema befassten. Den Ansprüchen evidenzbasierter Medizin genügte keine einzige, ihre Ergebnisse waren zudem noch widersprüchlich. Die Wissenschaftler fordern deshalb Untersuchungen, die endlich mehr liefern als heiße Luft: randomisierte Studien während einer Hitzewelle, die sich auf besonders gefährdete Gruppen wie Senioren konzentrieren.

Bis dahin muss jeder Ventilatorbetreiber für sich entscheiden, ob er cool genug ist, mit den Konsequenzen zu leben.

Quelle: springermedizin.de basierend auf: Gupta S et al. Electric fans for reducing adverse health impacts in heatwaves. Cochrane Database of Systematic Reviews 2012, Issue 7. Art. No. CD009888

SpringerMedizin.at, springermedizin.at

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